Profi-Radsport

Jewgeni Petrow gewinnt bei Straßen-WM zweites Gold

13.10.2000 -

Plouay (dpa) - Die deutschen Akteure blieben am Freitag bei der Straßen-Weltmeisterschaft der Radsportler in Plouay ohne Glanz, der Russe Jewgeni Petrow sorgte für ein Novum: Nach dem Gewinn des Zeitfahrens der Amateure am Dienstag holte er auch im Einzelrennen den Titel. Das hat es in der 1996 geschaffenen U23-Klasse noch nicht gegeben.

Gut 20 km vor dem Ziel setzte er sich aus einer Spitzen- Gruppe ab und rettete nach einer dramatischen Verfolgungsjagd im Ziel des über 169,8 km führenden Rennens vier Sekunden Vorsprung vor Jaroslaw Popowitsch (Ukraine) und Lorenzo Bernucci (Italien). Bester Deutscher war der Berliner Björn Schröder auf Platz 14.

Überschattet wurde das Rennen von einem Massensturz auf der Zielgeraden, als das Feld gut eine halbe Minute nach dem Sieger um die Plätze kämpfte. Fahrer des deutschen Teams waren nicht betroffen. «Es war ein superschweres Rennen, bei dem es am Ende nur noch um das Ankommen ging», meinte der Berliner Torsten Hiekmann enttäuscht. Die deutschen Akteure warteten in dem hektischen Rennen im Feld lange auf ihre Chance. Als auf den letzten zwei Runden die Attacken nicht mehr abrissen, fuhren die Fahrer des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) stets hinterher. Die Akzente setzten die Russen oder die Italiener.

Die Engländerin Nicole Cooke gewann bei den Juniorinnen. Im 70,8 km langen Rennen der jungen Damen setzte sie sich wenige Kilometer vor dem Ziel aus einer Vierer-Spitze ab und verwies die Polin Magdalena Sadlecka sowie die Kanadierin Clare Hall-Patch auf die folgenden Plätze. Die Initiatorin der Ausreißer-Gruppe, die Russin Natalja Bojarskaja, wurde Vierte. Als beste Deutsche belegte Liane Bahler (Erfurt) im Spurt einer großen Verfolgergruppe Platz elf. Sarah Düster (Wangen) war noch auf der Abfahrt zum Ziel gestürzt.

Bereits in der ersten von fünf Runden hatte ein Massensturz das Feld zerrissen, in den auch Madeleine Sandig (Frankfurt/Main) verwickelt war. Schon in der zweiten Runde formierte sich dann die vorentscheidende Vierer-Gruppe, in der keine Deutsche vertreten war. Die drei im Hauptfeld verbliebenen Fahrerinnen verschlissen ihre Kräfte bei der Führungsarbeit, ohne das Feld wieder an die Ausreißer heranführen zu können.

Die Meisterschaftstage von Plouay entwickeln sich aus deutscher Sicht immer mehr zu einer Veranstaltung der Namenlosen. So wurde am Freitag auch die Absage des Berliners Andreas Klöden für das Einzelrennen der Elite bekannt gegeben. Der Olympia-Dritte von Sydney laboriert seit Sonntag an einem grippalen Infekt. Am Donnerstagabend gab Teamarzt Lothar Heinrich das endgültige Stoppzeichen. Das Team hatte zuvor noch auf den Start des Telekom-Jungstars gehofft. Bei den U23-Männern fehlte der Geraer Patrick Sinkewitz, der im kommenden Jahr für das italienische Mapei-Team starten wird. Er war schon beim Zeitfahren (33.) gesundheitlich angeschlagen.

Zuvor hatten schon Olympiasieger Jan Ullrich (Merdingen) wegen seiner Sturzverletzungen und Weltcup-Spitzenreiter Erik Zabel (Unna) vom Team Telekom wegen eines Infekts abgesagt. Auch der Zweite des Einzelzeitfahrens vom Donnerstag, Michael Rich (Waldkirch), wird am Sonntag nicht mehr dabei sein. Er war in den ursprünglichen Planungen des BDR nicht für den Einzelstart vorgesehen und hat deshalb schon vor Wochen seinen Urlaub gebucht. Bei den Frauen wird die beste Deutsche am Samstag nicht fahren. Hanka Kupfernagel (Berlin) war nach dem für sie enttäuschenden Zeitfahren (6.) vorzeitig abgereist.

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