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19.10.2000 -
Berlin (dpa) - Der Mann mit den schnellsten Beinen im deutschen Straßenradsport beweist in diesem Jahr Stehvermögen. Der 30-jährige Telekom-Sprinter Erik Zabel (Unna) will sich auch von einer gerade abgeklungenen Grippe nicht einen der größten Erfolge seiner Laufbahn gefährden lassen.
Der Ex-Berliner ist nach Olaf Ludwig (Gera/1992) der zweite deutsche Straßen-Profi, der den Weltcup gewinnen kann. Die Voraussetzungen dafür sind so günstig wie nie. Nur noch der Belgier Andrej Tschmil kann Zabel im Finalrennen von der Spitze verdrängen.
Der gebürtige Moldawier Tschmil muss dafür allerdings die schwere Lombardai-Rundfahrt über 258 km von Varese nach Bergamo gewinnen, und Zabel darf nicht einen Punkt bekommen. Tschmil hat zwar am zurückliegenden Sonntag bei den Weltmeisterschaften in Plouay mit einem beherzten Rennen seine ausgezeichnete Form demonstriert, aber beide Strecken sind nicht miteinander zu vergleichen. Dennoch ist Zabel gewarnt: Tschmils 20. WM-Platz spiegelt nicht den Rennverlauf wider. Zwei Mal griff Tschmil in der Schlussphase an, beim zweiten Ausreißversuch wurde er erst kurz vor dem Ziel wieder eingefangen.
Teamchef Walter Godefroot hat zwar die besten verfügbaren Männer aus seinem Team an Zabels Seite gestellt. Dabei geht es aber weniger darum, Tschmil in Schach zu halten, sondern Zabel über den Kurs zu helfen. Dafür werden der deutsche Meister Rolf Aldag (Ahlen), Bert Grabsch (Hürth), Matthias Kessler (Nürnberg), Kai Hundertmarck (Kelsterbach), Jan Schaffrath (Berlin) und der Österreicher Gerhard Trampusch in Varese an den Start gehen.
Zabel, der nach neun Rennen 71 Punkte Vorsprung vor Tschmil in der Weltcup-Wertung hat, konnte nach der abgesagten Weltmeisterschaft erst am Montag wieder mit dem Training beginnen. Vielleicht ist ihm deshalb nicht einmal unlieb, dass die beiden Generalproben für das Weltcup-Finale, das Rennen Mailand - Turin am Mittwoch und die Piemont-Rundfahrt am (heutigen) Donnerstag - wegen des Hochwassers in Norditalien abgesagt wurden.
Bei allen neun Weltcuprennen der Saison ist der Unnaer ins Ziel gekommen. Allein das dürfte ein psychologisches Plus darstellen. Der fünfmalige Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France ist damit der Fahrer mit dem längsten und härtesten Programm der Saison. Zabel ist schon lange nicht mehr ausschließlich ein Sprinter, der die Berge fürchten muss wie Italiens Mario Cipollini. Mit einem beeindrucken Frühjahr hat der Telekom-Fahrer die Grundlage für den Griff zum Weltpokal gelegt. Zabel gewann neben Mailand - San Remo auch das Amstel-Gold-Race und war Dritter beim schwersten aller Radklassiker, bei der Kopfsteinpflaster-Hölle Paris - Roubaix. Dazu kam ein vierter Rang bei den HEW-Cyclassics in Hamburg im August.
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