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21.10.2000 -
Bergamo (dpa) - Erik Zabel hat sich den Weltpokal nicht mehr nehmen lassen, obwohl er in das Final-Rennen nicht mehr eingreifen konnte. Als zweiter deutscher Radprofi acht Jahre nach Olaf Ludwig holte sich der 30-Jährige am Samstag den Gesamtsieg in der Jahreswertung.
Zabel, der in zehn Weltcup-Rennen seit März 347 Punkte sammelte, konnte sich bei der 94. Lombardei-Rundfahrt sogar eine Aufgabe leisten. Der durch eine gerade überstandene Grippe noch angeschlagene Telekom-Kapitän stieg nach 15 km aus, war aber zur Siegerehrung in Bergamo wieder rechtzeitig zur Stelle. Den für die Gesamtwertung unbedeutenden Sieg im letzten Weltcup-Rennen über 258 km holte sich Raimondas Rumsas aus Litauen vor dem Italiener Francesco Casagrande und dem Schweden Niklas Axelsson.
«Das ist der wertvollste Erfolg meiner Karriere», freute sich Zabel. Sein insgesamt dritter Sieg bei Mailand - San Remo zum Saisonbeginn, sein sportlich wahrscheinlich ebenso wertvoller dritter Platz bei Paris-Roubaix und der Erfolg im Amstel Gold-Race hatten Zabel den Weg zum Weltcup geebnet. Seit Januar sitzt der fünffache Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France, der 1999 für einen Tag auch das Gelbe Trikot getragen hatte, im Sattel. Die erfolgreichste Saison seiner Karriere schloss der gebürtige Berliner mit insgesamt 19 Siegen ab. Den ersten diesjährigen Sieg hatte der Olympia-Starter bereits im Januar 2000 in Australien gefeiert.
Der schon vor der Tour fast gesicherte Weltcup-Erfolg geriet für Zabel noch einmal unerwartet in Gefahr, als sein ärgster Verfolger Andrej Tschmil (Belgien) bei Paris Tours vor 14 Tagen noch ein Mal auf Rang zwei fuhr. Ein Sieg am Samstag in Bergamo hätte dem naturalisierten Belgier noch den Gesamtsieg im Weltcup gebracht. Aber der 37-jährige Cup-Verteidiger Tschmil hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun, er verlor auf Rumsas fast zwei Minuten. Zabel konnte sich den Ausgang des Rennens nach seinem Ausstieg beruhigt im Fernseher seines Hotelzimmers ansehen, ohne ins Schwitzen zu kommen.
Telekom war mit weniger als dem letzten Aufgebot in das letzte Weltcup-Rennen gegangen, das von der Flutkatastrophe in Norditalien unberührt blieb. Nur noch sechs anstatt der acht möglichen Fahrer konnten die Teamchefs aufbieten - die Saison war zu lang. Schon am Start war klar, dass Zabel, der wegen seiner Erkrankung vor einer Woche die WM abgesagt hatte, für die Punkteränge bei der schweren Lombardei-Rundfahrt über acht Steigungen nicht in Frage kommen würde. Deshalb war seine Aufgabe auch kein Beinbruch. Das Finale am Samstag war das einzige der zehn Weltcup-Rennen, das «Marathon-Mann» Zabel nicht durchfuhr.
Auch Jan Ullrich fehlte im Telekom-Team. Der Olympiasieger auf der Straße hatte seine Saison vor zwei Wochen nach seinem Sturz in Tours beendet. An diesem Sonntag tritt er einen 14-tägigen Urlaub in Kalifornien an. Anfang Dezember beginnt Ullrich mit der Vorbereitung auf die kommende Saison.
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