Zitat der Woche:
"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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20.05.2002 -
Camaiore/Berlin (dpa) - Auf den größten Triumph seiner Profi-Karriere hatte er zwölf Jahre warten müssen. Trotzdem war Jens Heppner, aktueller Träger vom Rosa Trikot des 85. Giro d`Italia, in Varazze eher sauer als glücklich.
«Telekom will mich loswerden. Obwohl ich schon bei den Klassikern gut in Form war, hat der Teamchef entschieden, dass ich im nächsten Jahr keinen Vertrag mehr bekomme. Es soll bei uns wohl eine Umstrukturierung in Richtung jüngere Fahrer geben», richtete der 37-jährige Thüringer seine Beschwerde an Walter Godefroot. Der konterte am Montag: «Der soll nicht meckern, sondern Rad fahren. Elf Verträge stehen zur Disposition, es ist noch überhaupt nichts entschieden.»
«Auf jeden Fall will ich noch ein Jahr weiter machen. Vielleicht aber nicht bei Telekom», sagte Heppner, der an der italienischen Riviera für gewichtige Verhandlungs-Argumente in eigener Sache sorgte. In 93 Jahren Giro d`Italia ist Heppner nach Herrmann Buse (1932) und Gregor Braun (1981) erst der dritte Deutsche in Rosa. 1992 und 1998 war der Telekom-Routinier bei der Tour de France schon zwei Mal fast so weit. Zum Gelben Trikot fehlten nur Sekunden.
In Varazze hat Heppner bei seinem Sprung an die Spitze des Gesamtklassements sicher auch von den besonderen Umständen profitiert. Dem Mapei-Team um den wahrscheinlich gedopten Spitzenreiter Garzelli kam entgegen, dass das Trikot in der auffälligen Signalfarbe nach sportlicher Entscheidung den Besitzer wechselte. So kann der erwartete Ausstieg bei positiver B-Probe vielleicht etwas diskreter von statten gehen. Jedenfalls tat Mapei nichts dafür, den Abstand zur Ausreißer-Gruppe zu verringern.
Heppner, der nach der Wende aus der DDR in die Niederlande ins Profilager wechselte, gilt als Stehaufmännchen. Zu DDR-Zeiten musste er wegen eines Herzfehlers lange aussetzen. Sein Comneback galt als medizinisches Wunder. Nach einem schweren Trainings-Unfall vor drei Jahren schien seine Karriere wieder vor dem Ende. Lange plagten den Thüringer Gleichgewichtsstörungen.
Aber Heppner kam wieder zurück und ackerte im Vorjahr bei der Tour wieder als Helfer an der Seite Jan Ullrichs, den er auch bei dessen Sieg 1997 begleitet hatte. Das Tour-Ende 2001 erlebte er mit einem Schlüsselbeinbruch vor dem Fernseher. Das war definitiv sein neunter und letzter Tour-Auftritt: «Im Juli bin ich auf keinen Fall dabei.»
Beim Giro konnte sich der Hobby-Golfer am Pfingst-Wochenende ein weiteres Mal als Rückkehrer feiern lassen. «Das ist mein größter sportlicher Erfolg. Er rangiert noch vor der Tour`98, in der ich nach meinem Etappensieg das Gelbe Trikot Bo Hamburgers vor Augen hatte», sagte Heppner, der außerdem auf eine deutsche Profi-Meisterschaft (1994) und Siege bei der Tour de Limousin (1994) und der Deutschland- Tour (1999) zurückblicken kann.
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