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"Ich schaue nicht zurück im Zorn. Es war alles in Ordnung."
(Erik Zabel nach dem Münsterland-Giro, seinem letzten Straßenrennen in Deutschland)
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20.05.2002 -
Orvieto/Berlin (dpa) - Der Spanier Aitor Gonzalez gewann nach 237 km die achte Etappe, Jens Heppner fährt auch im Rosa Trikot, und der Coast-Profi Fabrizio Guidi (Italien) verpasste den Tageserfolg in Orvieto nach über 210 km langer Alleinfahrt.
Das alles in den Schatten stellende Thema beim 85. Giro d`Italia war aber der schwelende Doping-Skandal, in dem sogar Verbindungen zur Mafia offenbar wurden. Der Giro bangt im 93. Jahr um seinen Fortbestand. Ein Jahr nach der größten Razzia der Radsport-Geschichte zur Aufdeckung von Doping wird die Italien-Rundfahrt von einem weiteren Skandal erschüttert. Dazu kommt seit der Verdacht, die Mafia liefere den Stoff für den Betrug im Sport. Der ehemalige Spitzenreiter und Favorit Stefano Garzelli, der ehemalige Telekom-Profi Roberto Sgambelluri (Italien) und der Russe Faat Zakirow wurden bei Doping-Kontrollen positiv getestet. Gegen fünf mutmaßliche weitere Doper ermittelt die Polizei. Ein Dealer stellte sich in Neapel den Behörden.
Der italienische Gesundheits-Minister Girolamo Sirchia forderte harte Strafen, «wenn Siege nur noch über Pillen zu schaffen sind». Die sizilianische Zeitung «Giornale della Sicilia» riet: «Jetzt wäre es besser, alles zu stoppen.» Der «Corriere della Sera» schrieb nach der Entdeckung eines Doping-Depots im Hauptquartier eines Amateur-Clubs in Manerba am Garda-See von der «Apotheke des Todes». Aus einem Kühlschrank voller Doping-Präparate sollen mindestens 20 Profis versorgt worden sein. Blutdoping-Präparate seien aus Krankenhäusern gestohlen und über Mafia-Kreise an die Profis verkauft worden.
«Am schwarzen Samstag» des Giro war der 28-jährige Garzelli trotz positiver A-Probe an den Start zur 6. Etappe gegangen und wurde in Varazze von Jens Heppner von der Spitze verdrängt. Der 37-jährige Thüringer verteidigte diese Position und liegt weiter mit 3:33 Minuten vor Garzelli, nachdem der Belgier Rik Verbrugghe die 7. Etappe im Alleingang gewonnen hatte.
Bis zur Analyse der B-Probe hielt der Giro-Gewinner von 2000 im Rennen durch. Für den Fall seiner endgültigen Überführung hatte Garzelli («Ich bin unschuldig») seinen Rücktritt angekündigt. Später hörte sich das so an: «Wenn ich den Giro verlasse, komme ich in sechs Monaten wieder.» Mit Marco Pantani 1999 und Dario Frigo 2001 wurden in den letzten drei Jahren zwei Giro-Spitzenreiter wegen verdächtig hoher Blutwerte beziehungsweise Doping-Funden vom Rennen ausgeschlossen.
Garzelli soll auf der Etappe von Köln nach Lüttich, wo er sich das Rosa Trikot holte, das verbotene Präparat «Probenecid» eingenommen haben. Das Gichtmittel kann auf Grund seiner Harn treibenden Wirkung den Nachweis anderer Dopingmittel bei Kontrollen erschweren und ist in Italien nicht im Handel. Dafür aber in Deutschland, wie Professor Peter Billigmann, Teamarzt des Gerolsteiner-Teams, bestätigte: «Das Präparat könnte die Einnahme von Anabolika verschleiern».
Wie Garzelli wies auch das Team-Mapei jegliche Vorwürfe der Manipulation zurück. Die bisher nicht mit nachgewiesenem Doping in Berührung gekommene Mannschaft wittert ein Komplott. Das Mittel sei den Fahrern untergeschoben worden, mutmaßte Teamchef Aldo Sassi. Denn nicht nur Garzelli, sondern die gesamte Mannschaft habe permanent Wasser lassen müssen.
Bereits Anfang der Woche hatte die Staatsanwaltschaft Brescia unabhängig vom Fall Garzelli mit dem geständigen Antonio Varriale zum ersten Mal einen Profi-Sportler wegen Dopings in Haft genommen. «Ich habe gedopt, weil ich mir sonst vorkam, als würde ich gegen Motorradfahrer antreten», wurde Varriale vom italienischen Fernsehen zitiert. Ivano Fanini, der Chef des zum Giro nicht zugelassenen Amore e Vita-Teams, forderte einen «Giro-Stopp und die Annullierung aller verfälschten Ranglisten.»
Auf Grund seiner Aussagen hatten Polizisten bei der Ankunft des Giro in Limone Piemonte Varriales Teamkollegen aus dem Panaria-Team, Nicola Chesini, verhaftet. Nach Angaben von Teamchef Roberto Reverberi ermittelt die Staatsanwaltschaft Neapel auch gegen Radprofi Filippo Perfetto, der deshalb bereits aus dem Giro ausgestiegen war. Ausgangspunkt für die Ermittlungen war der ehemalige Polizist Armando Marzano, der sich in Neapel gestellt hatte. Er steht im Verdacht, Profis in großem Stil mit Doping-Mitteln versorgt zu haben.
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