Profi-Radsport

Heppner weiter in Rosa - Cipollinis 3. Sieg - Garzelli überführt

21.05.2002 -

Caserta/Lausanne (dpa) - Der 28-jährige italienische Radprofi Stefano Garzelli ist des Dopings überführt. Wie erwartet wies auch die B-Probe bei der Kontrolle im Labor des Weltverbandes UCI in Lausanne Spuren des Gicht-Mittels Probenecid auf, mit dem Dopingmittel maskiert werden können.

Garzelli, hinter dem Thüringer Jens Heppner nach der 9. Etappe des 85. Giro d`Italia Zweiter mit 3:33 Minuten Rückstand, war in Lüttich im Ziel der 2. Etappe positiv getestet worden. Der Kapitän des Mapei-Rennstalls und Giro-Gewinner von 2000 muss mit einer mehrmonatigen Sperre rechnen und wird von der laufenden Italien-Rundfahrt ausgeschlossen.

In Caserta hatte Mario Cipollini seinen dritten Etappensieg gefeiert, und Heppner verteidigte sein Rosa Trikot zum dritten Mal. Dem 37-jährigen Thüringer, der in Italien einen erstaunlichen zweiten Radsport-Frühling erlebt, reichte im Ziel der 9. Etappe über 201 km von Tivoli nach Caserta ein Platz im Hauptfeld, um seine Führung souverän zu verteidigen. Den Tagessieg auf der Flach-Etappe in Süditalien feierte wieder «Super-Mario» vor dem Australier Robbie McEwen, der dem Italiener den Sieg in Straßburg weggeschnappt hatte.

Der seit Jahren mit seiner Familie in Belgien lebende Heppner führt jetzt nach dem Ausschluss Garzellis mit 3:50 Minuten Vorsprung vor dem Ukrainer Jaroslaw Popowitsch. Im Ziel, als das Ergebnis der B-Probe noch nicht feststand, war bereits bekannt geworden: Die beiden in Esch/Luxemburg und Straßburg genommenen Doping-Proben nach Garzellis positivem A-Befund von Lüttich waren negativ.

«Ich schwöre: Ich habe nicht gedopt und werde es nie tun», ließ Garzelli noch ein Mal wissen. Dennoch verbreitete der Mapei-Fahrer schon am Start Abschieds-Stimmung. «Die Aufmunterungen der Fans vom Straßenrand haben mir in den bittersten Stunden meiner Karriere Mut gemacht», sagte Garzelli. Die «Gazzetta dello Sport» hatte unter Hinweis auf die bevorstehende Disqualifikation des Glatzkopfes mit den treuen Augen getitelt: «Der Prinz wird wieder zum Frosch».

«Ich rechne damit, dass Jens das Trikot noch ein paar Tage verteidigen kann», sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage unterdes zu den Chancen von Heppner. Richtig schwer in den Dolomiten wird es erst auf der 16. und 17. Etappe. Spätestens dann wird der General-Angriff des ewigen Giro-Pechvogels Francesco Casagrande oder der des Vorjahressiegers Gilberto Simoni (beide Italien) erwartet. Aber auch an den bisherigen Steigungen hat sich Heppner, der bei Telekom um einen Fortsetzungs-Vertrag für das nächste Jahr pokert, als schlauer Fuchs erwiesen und hatte keine Schwierigkeiten, mit den Besten mitzugehen.

Wie am Vortag der Coast-Fahrer Fabrizio Guidi hatte sein Landsmann Mariano Piccoli eine lange Flucht versucht. Der Italiener hatte nach 16 Kilometern attackiert. Als sich die Teams ernsthaft für ihre Sprinter an der Spitze des Feldes formierten, war sein couragierter Ausflug nach über 160 km Alleinfahrt beendet.

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