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22.05.2002 -
Maddaloni (dpa) - Der Giro d`Italia versinkt im Doping-Sumpf. Nach der Disqualifikation Stefano Garzellis wegen nachgewiesenen Dopings wurde auch Vorjahressieger Gilberto Simoni überführt. Ein positiver Test auf Kokain einen Tag vor Beginn der Trentino-Rundfahrt am 24. April wurde dem Italiener zum Verhängnis.
Die Internationale Antidoping-Agentur (WADA) hatte unangemeldet kontrolliert. Simoni erklärte allerdings, dass er nach Rücksprache mit seinem Teamchef Claudio Corti trotzdem zur 10. Etappe in Maddaloni starten wolle. Die B-Probe steht noch aus.
Damit stellte er für sich selber andere Regeln auf, als er sie für Konkurrenten angewendet wissen will. Am Dienstag hatte Simoni erklärt: «An Garzellis Stelle hätte ich den Giro verlassen, wie wir Fahrer es in unserem Ehren-Codex für den Fall einer positiven Analyse festgelegt hatten.» Garzelli wurde nach Bekanntwerden seiner positiven B-Probe disqualifiziert. Das gleiche Los wird auch Simoni treffen, der bei der großen Giro-Razzia des Vorjahres in San Remo noch ungeschoren davon gekommen war.
Von den am 11. Mai in Groningen/Niederlande gestarteten Topfavoriten auf den Gesamtsieg wäre dann nur noch der Italiener Francesco Casagrande - zur Zeit 4:08 Minuten hinter Spitzenreiter Jens Heppner - im Rennen. Simoni liegt auf Rang acht mit 4:29 Minuten Rückstand. Der Giro-Gewinner des Vorjahres behauptet, ein Zahnarzt- Besuch könnte dafür gesorgt haben, dass Kokain-Spuren bei ihm entdeckt worden seien.
Bei einem 105-minütigen Polizei-Verhör erklärte der inhaftierte Ex- Polizist und Amateurfahrer Armando Marzano, italienische Rad- Amateure kämen quasi «mit Doping zur Welt». Alle Teamchefs wüssten, welche Fahrer auf welche Weise gedopt seien und würden die wahre Leistungsstärke der Fahrer danach beurteilen. Zwischen 1999 und 2000 habe Marzano, Trauzeuge des ebenfalls inhaftierten Panaria-Profis Antonio Varriale, regelmäßig Doping-Produkte besorgt.
Ähnlich äußerte sich auch Telekom-Teamchef Rudy Pevenage am Mittwoch am Start der 10. Etappe in Maddaloni: «Das Problem besonders in Italien ist, dass viele Amateure Profis werden, ohne sich durch Talent oder Ergebnisse besonders zu empfehlen. Sie werden Radprofi, um Geld zu verdienen und helfen nach, wenn die eigenen Voraussetzungen nicht reichen.» Die Stimmung sei sehr gedrückt, beschrieb Pevenage die Giro-Atmosphäre: «Es hört nicht auf: 1998 bei der Tour, im Vorjahr die Razzia in San Remo, jetzt das.»
Die mitveranstaltende «Gazzetta dello Sport» sah nach Bekanntwerden des Simoni-Dopingfalles «eine weitere Lawine» auf den Giro niedergehen. Ausgerechnet Marco Pantani, 1999 mit erhöhten Blutwerten im Rosa Trikot aus dem Giro genommen und seitdem in ständigem Kontakt mit den Ermittlungsbehörden seines Landes, forderte einen «Runden Tisch» des Radsports: «Wir müssen die Probleme pragmatisch lösen.» Bei Garzellis Giro-Sieg 2000 war Pantani sein Team-Kapitän.
Nach Bekanntwerden der positiven B-Probe im Labor des Radsport- Weltverbandes UCI in Lausanne hatte der 28-jährige Garzelli erklärt: «Ich habe keine Beweise für ein Komplott. Aber ich betone noch einmal: Ich habe dieses Medikament niemals genommen. Ich weiß nicht, ob ich wiederkomme. Jetzt habe ich erst einmal keine Lust mehr zum Radfahren.» Der Mountainbike-Weltcup-Sieger Cadel Evans aus Melbourne ist jetzt im Giro auf Rang 14 bester Fahrer der mit größten Ambitionen gestarteten Mapei-Mannschaft.
Garzelli war in Lüttich bei der obligatorischen Urin-Kontrolle nach der 2. Etappe der Gebrauch des verbotenen Mittels Probenecid, mit dem Dopingmittel verschleiert werden können, nachgewiesen worden. Unter Aufsicht des Niederländers Leon Schattenberg, dem Vorsitzenden der UCI-Anti-Doping-Kommission, war die B-Probe geöffnet worden.
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