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23.05.2002 -
Campitello Matese/Berlin (dpa) - Nach den Doping-Erschütterungen beim 85. Giro d`Italia ebnet womöglich ein Streit zwischen Verbands-Funktionären Gilberto Simoni den Weg zur Weiterfahrt. Der der Einnahme von Kokain überführte italienische Radprofi kann unter Umständen den laufenden Giro beenden, weil die weitere Vorgehensweise in seinem Fall unklar ist, obwohl ein klarer Verstoß gegen die Doping-Bestimmungen vorliegt.
Über eine mögliche Bestrafung des Giro-Gewinners aus dem Vorjahr bestehen zwischen dem Weltverband UCI und dem italienischen Radsportverband Federciclistica Unstimmigkeiten. Erst hatte die UCI die Verantwortung zum nationalen Verband geschoben, der gab sie wieder zurück mit dem Hinweis, der in der A-Probe überführte Simoni könne innerhalb der nächsten fünf Tage eine B-Probe verlangen. Sein Landsmann Stefano Garzelli war nach positiver B-Probe auf das Gichtmittel Probenecid am Dienstag disqualifiziert worden.
Die Simoni-Mannschaft Saeco präsentierte ein Attest des Zahnarztes Bruno Grosselli, der dem 30-jährigen am 24. April angeblich das kokainhaltiges Betäubungsmittel Carbocain während einer Dental-Behandlung verabreicht hatte. In der «Gazzetta dello Sport» wird allerdings ein Pharmakologe zitiert, der erklärt, die bei Simoni nachgewiesenen Moleküle des Kokains könnten nicht von einer im Attest beschriebenen Betäubung stammen: «Die chemische Zusammensetzung ist anders.»
«Kokain-Derivate werden schon lange in der heutigen Zahnmedizin nicht mehr gebraucht und verwendet. Historisch hatte Kokain als Lokal-Anästhetikum eine Bedeutung», erklärte auch der Berliner Zahnarzt Wolfgang Weidinger. Für die «Gazzetta dello Sport» ist Simonis Zahnarzt-Geschichte sein «Rettungsring», der ihn unter Umständen bis zum Giro-Ziel nach Mailand tragen könnte.
Tour de France-Direktor Jean-Marie Leblanc erwägt, wie französische Medien meldeten, im Falle einer Simoni-Disqualifikation, Saeco zur am 6. Juli in Luxemburg beginnenden Frankreich-Rundfahrt wieder auszuladen. Alles hänge von der weiteren Entwicklung ab. Auf diese Weise könnte sogar das Essener Coast-Team wieder leise Hoffnungen schöpfen, doch noch beim Saison-Höhepunkt in Frankreich dabei sein zu dürfen. Bei der Vergabe der Wildcards am 2. Mai war der Weltranglisten-Zehnte mit nicht ganz schlüssigen Argumenten nicht eingeladen worden.
«Wenn sich Leblanc dazu entscheidet, bräuchten wir natürlich so schnell wie möglich Bescheid, um entsprechend zu disponieren. Wir wären die einzige Mannschaft, die Armstrongs Team in den Bergen richtig attackieren könnte», sagte Coast-Manager Marcel Wüst, der beklagte, dass der italienische Coast-Fahrer Fabrizio Guidi «zwei Tage das Rosa Trikot gestohlen» wurde, weil er auf Rang zwei hinter einem gedopten Garzelli platziert war.
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