Profi-Radsport

Simoni fährt weiter beim Giro und siegt - Heppner vorn

23.05.2002 -

Campitello Matese/Berlin (dpa) - Jens Heppner behauptete sein Rosa Trikot auch nach der zweiten Bergankunft des 85. Giro d`Italia. Am Ende einer 13 km langen Steigung war ausgerechnet der des Dopings überführte Gilberto Simoni im Ziel der 11. Etappe in Campitello Matese vorne. Die beiden nach 33 km enteilten Renzo Mazzoleni (Italien) und Steve Zamperie (Schweiz) waren kurz vor dem Ziel gestellt worden.

Weil die Sprinter in den nächsten Tagen wegen der Topographie des Parcours keine Chancen mehr haben, war der zweifache Etappengewinner Robbie McEwen (Australien) zur 11. Etappe nicht mehr angetreten. Heppner führt jetzt mit 2:58 Minuten vor Francesco Casagrande (Italien), der dem Telekom-Routinier 1:05 Minuten abnahm.

Doping und Drogen lieferten aber auch am Donnerstag den Stoff für die größten Giro-Schlagzeilen. Der der Einnahme von Kokain überführte italienische Radprofi Gilberto Simoni kann unter Umständen die Rundfahrt beenden, weil die weitere Vorgehensweise in seinem Fall unklar ist, obwohl ein klarer Verstoß gegen die Doping-Bestimmungen vorliegt. Über eine mögliche Bestrafung des Vorjahres-Sieges bestehen zwischen dem Weltverband UCI und dem italienischen Radsportverband Federciclistica Unstimmigkeiten.

Erst hatte die UCI die Verantwortung zum nationalen Verband geschoben. Der gab sie am Donnerstag wieder zurück mit dem Hinweis, der in der A-Probe überführte Simoni könne innerhalb der nächsten fünf Tage eine B-Probe verlangen. Sein Landsmann Stefano Garzelli war nach positiver B-Probe auf das Gichtmittel Probenecid disqualifiziert worden.

Am Donnerstag präsentierte die Simoni-Mannschaft Saeco ein Attest des Zahnarztes Bruno Grosselli, der dem 30-jährigen am 24. April angeblich das kokainhaltiges Betäubungsmittel Carbocain während einer Dental-Behandlung verabreicht hatte. Am selben Tag fand die Doping- Kontrolle statt. In der «Gazzetta dello Sport» wurde allerdings ein Pharmakologe zitiert, der erklärt, die bei Simoni nachgewiesenen Moleküle des Kokains könnten nicht von einer im Attest beschriebenen Betäubung stammen.

«Kokain-Derivate werden schon lange in der heutigen Zahnmedizin nicht mehr gebraucht und verwendet. Historisch hatte Kokain als Lokal-Anästhetikum eine Bedeutung», erklärte auch der Berliner Zahnarzt Wolfgang Weidinger. Für die «Gazzetta dello Sport» ist Simonis Zahnarzt-Geschichte sein «Rettungsring», der ihn unter Umständen bis zum Giro-Ziel nach Mailand tragen könnte.

Tour de France-Direktor Jean-Marie Leblanc erwägt im Fall einer Simoni-Disqualifikation, Saeco zur am 6. Juli in Luxemburg beginnenden Frankreich-Rundfahrt wieder auszuladen. Alles hinge von der weiteren Entwicklung ab. Auf diese Weise könnte sogar das Essener Coast-Team wieder leise Hoffnungen schöpfen, doch noch beim Saison- Höhepunkt in Frankreich dabei zu sein. Bei der Vergabe der Wildcards am 2. Mai war der Weltranglisten-Zehnte mit nicht ganz schlüssigen Argumenten nicht eingeladen worden.

«Wenn sich Leblanc dazu entscheidet, bräuchten wir natürlich so schnell wie möglich Bescheid, um entsprechend zu disponieren. Wir wären die einzige Mannschaft, die Armstrongs Team in den Bergen richtig attackieren könnte», sagte Coast-Manager Marcel Wüst.

Am 29. Oktober beginnt ein Strafprozess gegen den umstrittenen Mediziner Francesco Conconi wegen Sportbetrugs. Das teilte die Staatsanwaltschaft Florenz mit. Gegen Conconis Schüler Michele Ferrari, der Sportler mit Doping-Mitteln versorgt haben soll, wird schon seit längerer Zeit verhandelt.

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