Profi-Radsport

Heppner: «Schöne Zeit» und 18 Trikots im Gepäck

30.05.2002 -

Corvara/Berlin (dpa) - Mit verschorften Beinen und 18 Rosa Trikots im Gepäck blickte Jens Heppner auf die elf ereignisreichsten Tage seiner zwölfjährigen Karriere zurück.

«Es war eine schöne Zeit, aber mir war klar, dass ich die schwere Dolomiten-Etappe nicht im Rosa Trikot überstehen würde. Ich habe alles gegeben», sagte der 37 Jahre alte Telekom-Routinier, der sich im Ziel der 16. Etappe in Corvara als 12. im Gesamtklassement wieder fand.

«Jetzt wird es schwer, am Schluss in Mailand noch unter die besten zehn zu kommen», meinte Heppner, der genug Trikots gesammelt hat, um jeden seiner Team-Kollegen mit dem begehrenswerten Erinnerungsstück aus Kunststoff zu beglücken. Auch der bereits in Straßburg nach dem Tod seiner Mutter ausgeschiedene Telekom-Sprinter Danilo Hondo aus Cottbus soll bedacht werden. Die Veranstalter waren spendabel und statteten «Nonno Heppner» («Opa Heppner»), wie ihn die italienische Presse nennt, mit sieben Extra-Trikots aus.

Auf der ersten von zwei handfesten Dolomiten-Etappen hatte Heppner gegen die neue Giro-Spitze Cadel Evans (Australien), den ehemaligen Lance Armstrong-Helfer Tyler Hamilton (USA) und den ehemaligen «Doping-Sünder» Dario Frigo (Italien) keine Chancen, obwohl Matthias Kessler (Nürnberg) bis zum Schluss an der Seite des 14 Jahre älteren Team-Kollegen war. «Der Sturz war nicht so schlimm. Ich bin in einer Linkskurve weggerutscht, verlor aber kaum Zeit», sagte Heppner, im Team «Papa» genannt.

Das Ende der rosa Zeiten für den Thüringer, der 1999 die Deutschland-Tour und 1998 bei der Tour de France in Lorient eine Etappe gewonnen hatte, nahmen die italienischen Zeitungen am Donnerstag nur insofern zur Kenntnis, dass sie den neuen Spitzenreiter Evans in großem Rahmen vorstellten und würdigten. Die Giro-Ära Heppners, der auf der Königsetappe scheiterte, gehört schon der Vergangenheit an.

Viel interessanter war für die Gastgeber die Zukunft «ihres» Marco Pantani, der schon an der ersten Steigung entkräftet vom Rad gestiegen war und aufgab. «Ich bin noch nicht erledigt, das zeigen meine Tests. Das Problem ist der Kopf - ich stecke seit zwei Jahren im Dreck, das ist eine unglaubliche psychische Belastung. Aber ich komme wieder», prophezeite der einstige Bergspezialist, der seit seiner Giro-Demisson 1999 wegen vermutlichen Dopings in Dauer-Kontakt mit den strengen Justizbehörden seines Landes steht.

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