Profi-Radsport

Rad-Idol Pantani für acht Monate gesperrt

17.06.2002 -

Rom (dpa) - «Il Pirata» steht vor dem Ende. Radprofi Marco Pantani ist von der Disziplinarkommission des italienischen Radsport-Verbandes wegen Dopings für acht Monate gesperrt worden.

Das Gremium sah es als erwiesen an, dass bei einer Polizeirazzia im Hotelzimmer Pantanis in Montecatini Terme während des vorjährigen Giro d`Italia gefundene Spritze mit Insulinspuren von dem Italiener benutzt wurde. Sein Anwalt Veniero Accreman kündigte an, umgehend in Berufung zu gehen.

Die Kommission belegte das glatzköpfige Radsport-Idol der Azzurri, dem 1998 der seltene Doppelschlag mit dem Gewinn des Giro und der Tour de France gelungen war, zudem mit einer Geldstrafe von 3000 Schweizer Franken (2032 Euro) und sein Team Mercatone Uno mit einer Strafe von 5000 Schweizer Franken (3300). Zur Erfolgsbilanz des 32- Jährigen, der das Kopftuch als Markenzeichen trug, zählen je acht Etappensiege bei der Tour sowie beim Giro und ein dritter Platz bei den Weltmeisterschaften 1995.

Ursprünglich hatte die Anti-Doping-Kommission des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) sogar vier Jahre Sperre gefordert, die Fahnder des Radsportverbandes forderten eine Suspendierung von einem Jahr. Die Anwälte Pantanis hatten hingegen auf Freispruch plädiert. Es gebe keine Beweise, dass die Insulin-Nadel wirklich in Pantanis Zimmer gefunden worden sei, erklärten sie.

Außerdem präsentierte die Verteidigung ein wissenschaftliches Gutachten: Demnach wurde die Nadel im Mai 2001 entdeckt, aber erst im September untersucht; in dieser Zeit hätten chemische Veränderungen vorgenommen werden können. Anwalt Veniero Accreman: «Die Justiz hätte Pantani niemals verurteilt, weil es keine Beweise gibt. Wir werden bei der Disziplinarkommission in Berufung gehen.» Eine Strafe von acht Monaten sei «extrem hart». Die Verhandlungen der Disziplinarkommission des italienischen Radsportverbandes waren zuvor bereits zwei Mal wegen Formfehlern verschoben worden.

Insulin steht auf der Dopingliste. Zunächst hatte Pantani gegenüber der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Florenz bestritten, überhaupt in jenem Hotelzimmer übernachtet zu haben. Erst als Ermittler Pantanis Anwesenheit im Zimmer durch Zeugenaussagen nachweisen konnten, gab er es zu. Die Insulinspitze sei jedoch nicht von ihm gewesen, behauptete Pantani bis zum Urteil.

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