Ullrich-Affäre überschattet Tour - Zabel unter Erwartungsdruck

05.07.2002  | 

Luxemburg (dpa) - Erik Zabel soll es wieder einmal richten. Bei der von der Doping-Affäre Jan Ullrich überschatteten 89. Tour de France, die mit einem anspruchsvollen 7-km-Prolog durch die Luxemburger Innenstadt beginnt, lasten so große Erwartungen auf dem Weltranglisten-Spitzenreiter wie noch nie.

Positive Schlagzeilen sind nicht nur aus Telekom-Sicht bitter nötig. «Der ganze deutsche Radsport liegt schwer auf der Schnauze. Ob Zabel-Erfolge bei der Tour ihm wieder ein bisschen auf die Beine helfen können, ist fraglich», sagt sein einstiger Sprint-Konkurrent Marcel Wüst, der die ARD als Experte bei der Berichterstattung unterstützt.

Zabel, der durch die Last-Minute-Nominierung des eigentlich schon ausgebooteten Udo Bölts für den verletzten Alexander Winokurow eine kurzfristige Mannschafts-Umstellung verkraften muss, peilt sein siebentes Grünes Trikot in Folge an. «Winokurow war im letzten Jahr auf den letzten zwei Etappen bei der Sicherung des Trikots mein wichtigster Mann», sagte Zabel, der sich für die Nach-Berufung von Bölts persönlich telefonisch eingesetzt hatte.

Der 36-Jährige, der von seinem Vater nach Luxemburg chauffiert wurde und die medizinische Kontrolle nachholte, steht als deutscher Rekordhalter vor seiner elften Tour. Mit einer Belohnung für sein kurzfristiges Einspringen, nachdem er vor zwei Tagen die endgültige Tour-Absage verkraften musste, kann Bölts dennoch nicht rechnen. «Unsere Entscheidung, dass er im nächsten Jahr keinen Vertrag erhält, steht», teilte Team-Manager Walter Godefroot mit, der an einer Verpflichtung des Belgiers Mario Aerts interessiert ist.

«Meine Ambitionen sind diesmal die gleichen wie immer: Ich will möglichst Etappensiege und das Trikot. Eine Prognose über den Ausgang der Punktwertung ist etwa nach zehn Tagen möglich», erklärte Zabel, der den Kreis der üblichen Anwärter benannte: «McEwen, O`Grady, Steels und Freire werden meine Haupt-Konkurrenten sein.» Die Voraussetzungen für den 31-jährigen Berliner, der seit 1995 bei der Tour elf Tagessiege verbuchte, scheinen günstiger als im Vorjahr, in dem er drei Mal erfolgreich war. Mit dem Italiener Gian Matteo Fagnini und dem Tour-Debütanten Danilo Hondo (Cottbus) hat Zabel bei Massensprints für die letzten Meter pfeilschnelle Windschattengeber.

«Er ist körperlich und psychisch der stärkste von allen und hat das stärkste Team - Lance Armstrong ist nicht zu bezwingen», sagte sein Konkurrent David Millar (Schottland). Der dreifache Toursieger Armstrong, der vom amerikanischen Präsidenten zum offiziellen Berater in Sachen Krebsbekämpfung ernannt wurde, ist auf dem Weg zum vierten Sieg in Folge. Damit ist er den bisherigen Rekordhaltern Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain (jeweils fünf Erfolge) auf den Fersen.

«Die spanischen Mannschaften Once und Kelme mit ihren starken Kletterern sind wahrscheinlich meine größten Konkurrenten», sagte Armstrong, der mit seinem Team die Strecke des Mannschafts-Zeitfahrens vom 10. Juli inspizierte. Der Fall Ullrich schade dem gesamten Radsport, so Armstrong, der sich dazu aber nicht weiter äußern wollte, bis die Rechtslage klarer ist.

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