Zabel verpasst Etappen-Sieg zum Geburtstag

07.07.2002  | 

Luxemburg (dpa) - Erik Zabel hat es knapp verpasst, sich selbst das schönste Geburtstagsgeschenk zu machen. Auf der ersten Etappe der 89. Tour de France fuhr der Weltranglisten-Spitzenreiter, der 32 wurde, nach 192,5 km in Luxemburg an seinem insgesamt 12. Tagessieg vorbei.

Der wenig bekannte Schweizer Rubens Bertogliati schnappte ihm den Erfolg vor der Nase weg - Zabel wurde mit einer Sekunde Rückstand Zweiter. Wenigstens das in Luxemburg übergestreifte Grüne Trikot, das Zabel in den vergangenen sechs Jahren jedes Mal in Paris ins Ziel rettete, war ein kleiner Trost.

Doppelt ärgerlich für den Telekom-Kapitän, der mit einem Erfolg auch etwas von der Doping-Debatte um Jan Ullrich hätte ablenken können: Ein Etappensieg in Luxemburg hätte Zabel auch das Gelbe Trikot gebracht, weil er mit den Zeitgutschriften den dreifachen Toursieger Lance Armstrong (USA) hätte ablösen können.

So wurde diese Ehre Bertogliati zuteil, der das Gesamtklassement jetzt mit drei Sekunden vor Laurent Jalabert (Frankreich) anführt und das Trikot des Spitzenreiters in den deutschen Zielort Saarbrücken tragen wird. Der große Tour-Favorit aus Texas, der den 7 km langen Prolog in 9:08 Minuten gewonnen hatte, tauschte das Gelbe Trikot mit dem vorläufigen dritten Platz.

«Mit dem Abstand von einer Stunde zum Rennen freue ich mich doch, morgen mit dem Grünen Trikot in die Heimat zu fahren. Der Schweizer hat mit vollem Risiko angegriffen, uns alle überrascht und es durchgestanden - das war stark gemacht», sagte das Geburtstagskind Zabel, das am Vormittag vor dem Start zur ersten Etappe Blumen, eine Flasche Champagner und ein Geschenk im Telekom-Mannschaftshotel in Empfang nehmen konnte.

Der 23-jährige Bertogliati hatte Zabel und seinen Teamkollegen die Show auf den letzten 1000 Meter gestohlen. Auf der ansteigenden Zielgeraden war er von der Spitze des rasenden Feldes weggesprungen und hatte so einen Massensprint, bei dem Zabel als Favorit galt, verhindert. Der Schweizer rettete eine Sekunde vor Zabel und dem Australier Robbie McEwen ins Ziel. Aber Zabel, wenigstens schon in Grün, ist jetzt so nah am Gelben Trikot, das ein Etappensieg in Saarbrücken für sein zweites «Maillot Jaune» nach 1998 reichen würde.

Armstrong ist noch nie als so großer Favorit ins Rennen gegangen wie diesmal. Diese Vorschusslorbeeren rechtfertigte der Amerikaner schon zum Tour-Auftakt. Beim Prolog machte er kurzen Prozess und holte sich wie bei seinem ersten Toursieg 1999 das Gelbe Trikot am ersten Tourtag. Auch am Sonntag zeigte der Texaner, der in der Tour-Vorbereitung nur auf 21 Renntage kam, seine Extraklasse. 44 Kilometer vor dem Ziel setzte er sich an einer teilweise 18 prozentigen Steigung in Wormeldange vom Feld ab und fuhr zusammen mit sieben weiteren Fahrern hinter den Ausreißern einige Kilometer allein an der Spitze.

Der Zuschauer-Zuspruch in Luxemburg war enorm. Die Polizei zählte mehrere hunderttausend Fans, von denen viele aus dem benachbarten Deutschland gekommen waren. Im Saarland, beim ersten Tour-Abstecher nach Deutschland seit Freiburg 2000, werden wie vor zwei Jahren rund eine Million Zuschauer erwartet. Die zweite Etappe führt über 181 km von Luxemburg nach Saarbrücken.

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