Zabel verliert Gelbes Trikot - Team Once gewinnt Zeitfahren

10.07.2002  | 

Château Thierry (dpa) - Der Traum in Gelb dauerte nur 24 Stunden. Der Unnauer Telekom-Profi Erik Zabel verlor erwartungsgemäß seine am Vortag errungene Spitzenposition beim Mannschafts-Zeitfahren der Tour de France über 67,5 km von Epernay nach Château Thierry.

Der neue Mann in Gelb war nicht wie erwartet der alte Bekannte Lance Armstrong. Sein US-Postal-Team, bei der Katalonien-Rundfahrt vor zwei Wochen Gewinner eines Zeitfahrens, zog gegen das 16 Sekunden schnellere spanische Once-Team den kürzeren. Deshalb übernahm Igor Gonzalez de Galdeano (Spanien), der Sieger der Deutschland-Tour, das «Maillot Jaune» und führt jetzt mit 4 Sekunden vor seinem Team-Kollegen Joseba Beloki und 7 vor Armstrong. Zabel als Weltranglisten-Spitzenreiter fiel auf den 39. Rang mit 2:21 Minuten Rückstand zurück.

Once mit dem Ansbacher Jörg Jaksche - im Gesamtklassement jetzt Vierter mit 12 Sekunden Rückstand - siegte in 1:19:49 Stunden, US Postal verlor auf dem zweiten Tagesrang 16 Sekunden. Das Telekom-Team Zabels, der ganz in Gelb antrat, fuhr 1:22:36 und landete damit auf dem 12. Platz. Der für einen Trikotwechsel auch in Frage gekommene Laurent Jalabert (Frankreich) verlor mit seiner CSC Tiscali-Mannschaft schon früh zwei Fahrer, so dass keine Hoffnungen auf den Tagessieg mehr bestanden. Das dänische Team erreichte nach 1:20:35 den 3. Platz. Vorjahressieger Credit Agricole mit Jens Voigt (Berlin) landete nur auf dem 11. Rang.

«Es war eigentlich klar, dass ich das Trikot heute verlieren würde», zeigte sich Zabel ebenso wenig besonders enttäuscht wie Armstrong. «Okay, das ist eine kleine Überraschung, aber ich bin nicht enttäuscht. Bei uns lief alles rund, Once war eben ein bisschen besser», sagte der dreifache Tour-Sieger aus Texas, der weiter auf das «Maillot Jaune» warten muss, was aus taktischen Gründen nicht das Schlechteste sein muss.

«Wenn man bedenkt, dass uns die starken Zeitfahrer Ullrich, Klöden und Winokurow fehlen, haben sich die Jungs heute sehr gut aus der Affäre gezogen. Alle haben ihr Äußerstes gegeben, auch Fagnini», sagte Telekom-Teamchef Mario Kummer, der sich die Aufgabe mit Rudy Pevenage teilt. Der italienische Sprinter Gian Matteo Fagnini musste auf dem anspruchsvollen Kurs etwa 10 km vor dem Ziel abreißen lassen. Das Telekom-Team erreichte das Ziel nur mit acht Fahrern. Sogar im US-Postal-Team mussten individuelle Schwierigkeiten ausgebügelt werden, als der Luxemburger Benoit Joachim Probleme bekam.

«Die Flügel, die das Gelbe Trikot verleihen soll, nützt auf Steigungen wenig. Dass wir die Spitze heute verlieren würden, ist ja keine Überraschung», erklärte Pevenage. «Das Gelbe Trikot hat es heute nicht leichter gemacht», sagte auch Zabel. «Der Berg nach 30 km hat unseren Rhythmus etwas gebrochen. Trotzdem waren wir ein sehr harmonisches Team und kaum jemand hatte einen schwachen Moment. Es gab Jahre, da wurden wir vom Mannschafts-Zeitfahren verschont. Die waren die schönsten», erklärte der 32-jährige Sportler des Jahres weiter, der sich bei der Tour jetzt wieder ganz auf Etappensiege und das Grüne Trikot, das er in den vergangenen sechs Jahren jedes Mal bis Paris trug, konzentrieren kann.

Schon die 5. Etappe von Soissons nach Rouen über 195 km könnte wieder etwas für ihn sein. Zabel peilt dabei seinen insgesamt 12. Tour-Etappensieg seit 1995 an.

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