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12.07.2002 -
Alencon (dpa) - Bei Erik Zabel ist der Knoten endlich geplatzt. Im vierten Massensprint der diesjährigen Tour de France hat der 32-jährige Weltranglisten-Spitzenreiter und Träger des Grünen Trikots am Freitag seinen insgesamt 12. Tour-Etappensieg seit 1995 perfekt gemacht.
Diesmal ließ der Telekom-Topsprinter seinen bisherigen Bezwingern Oscar Freire (Spanien) und Robbie McEwen (Australien) nach 4:23:07 Stunden keine Chancen. Zabels Sieg auf der 6. Etappe über 199,5 km von Forges-Les-Eaux nach Alencon war noch dazu der 50. eines deutschen Radprofis in 99 Jahren Tour-Geschichte. Damit könnte die Telekom-Bilanz nach sieben Tourtagen - ein Etappensieg, Zabel einen Tag in Gelb - kaum besser aussehen.
«Wir sind sehr froh. Heute hat im Finale alles super geklappt, nachdem Erik gestern vom Mannschaftszeitfahren noch etwas müde war», sagte Teamchef Rudy Pevenage. «McEwen war in der ersten Woche stärker als ich. Ich hoffe, das hat sich mit dem heutigen Tag geändert - ich bin sehr glücklich», sagte Zabel. «Dieser Sieg nimmt enorm viel Druck von mir, vielleicht auch von meiner Mannschaft.»
Das Rennen mit einem erst 13 km vor dem Ziel gescheiterten Fluchtversuch lief ganz nach Zabels Vorstellungen. «Gut, dass Wesemann in der Ausreißer-Gruppe war. Dadurch mussten bei der Verfolgung diesmal andere Mannschaften arbeiten», sagte der deutsche Meister Danilo Hondo, der Zabel in Position gebracht hatte. «Die ansteigende Zielgerade nach der scharfen Kurve 500 Meter vor dem Ziel kam Erik entgegen. Ich konnte da mit hoher Geschwindigkeit hereinfahren», schilderte der Cottbuser die entscheidenden letzten Rennsekunden.
Der Baske Igor Gonzalez de Galdeano verteidigte zum zweiten Mal sein Gelbes Trikot, das er sich nach dem Sieg seines spanischen Once- Teams nach dem Mannschafts-Zeitfahren von Château Thierry anziehen durfte. Sein Team-Kollege Jörg Jaksche (Ansbach) behauptete als bester der acht deutschen Tourfahrer ebenfalls seinen vierten Platz im Gesamtklassement. Der dreifache Toursieger und große Favorit Lance Armstrong (USA) ist weiter Dritter mit sieben Sekunden Rückstand auf Galdeano.
13 km vor dem Ziel war eine Flucht gescheitert, an der auch Steffen Wesemann, in diesem Jahr zweiter bei Paris-Roubaix, beteiligt war. Sechs Fahrer hatten sich 84 km vor dem Ziel abgesetzt und durch die Beteiligung Wesemanns konnte sich das Zabel-Team in der Verfolgung etwas schonen. 26 km vor dem Finish hatte es wie am Vortag einen Massensturz im Feld gegeben, bei dem der Alexander Schefer die größten Verletzungen davontrug. Der in der italienischen Alessio- Mannschaft beschäftigte Kasache wurde vermutlich mit Hüftverletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Zabel hat jetzt noch zwei Chancen auf weitere Etappensiege. Die Profile der beiden nächsten Etappen sind noch ein Mal auf ihn zugeschnitten. Am Montag folgt das Einzelzeitfahren, am Dienstag der erste von zwei Ruhetagen und dann warten die Pyrenäen. Die 13. Etappe nach Beziers könnte dann eventuell wieder etwas für den Berliner sein, danach käme nur noch der Finaltag am 28. Juli auf den Pariser Champs Elyseés in Frage. Ein Sieg dort, der ihm noch nie gelang, hätte etwa den gleichen Prestige-Wert wie es ein Erfolg in Saarbrücken gehabt hätte. Da machte hatte ihm Freire einen Strich durch die Rechnung.
Die nationalen Sorgen um den Zustand von Jan Ullrichs Knie sind in Deutschland fast vergessen. Jetzt ziehen die Franzosen nach. Seit ihr Idol Richard Virenque in dem Massensturz 23 km vor dem Ziel verwickelt war, schmerzt sein linkes Knie. Auf der 6. Etappe fuhr er im Rennen mehrmals zum Tour-Arzt Gerard Porte an den Wagen. Ob der Hauptdarsteller des Tour-Skandals von 1998 in den Bergen die Rolle spielen kann, die er sich und seine Landsleute ihm zugetraut haben, ist jetzt sehr fraglich.
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