Ullrich-Urteil bis spätestens 9. August

23.07.2002  | 

Les Deux Alpes/Frankfurt (dpa) - Während Jan Ullrich abgetaucht bleibt, klären sich um ihn herum langsam die Fronten. Bis spätestens 9. August - wahrscheinlich früher - soll in seinem Doping-Fall ein Urteil vom Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) gesprochen werden. Das Datum bestätigte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk.

Die Sponsoren wollen noch bis zum Urteilsspruch warten, um bevor sie über die weitere Zusammenarbeit mit dem 28-jährigen Olympiasieger und Toursieger von 1997 nachdenken. Das ließ Ullrich-Manager Wolfgang Strohband vor dem Start zur 15. Tour- Etappe nach Les Deux Alpes, wo Ullrich 1998 von Marco Pantani eine deprimierende Niederlage kassierte, durchblicken.

Ullrichs Telekom-Team plant die sportliche Zukunft bis 2005 zweigleisig: Sollte sein angekündigtes Comeback gelingen, um so besser. Wenn nicht, werde auch vorgesorgt, sagte Manager Walter Godefroot. Sylvia Schenk, die vor knapp drei Wochen lange Gespräche mit Ullrich und Godefroot führte, ist in erster Linie daran interessiert, dass der populäre Radprofi mental «wieder in die Reihe» kommt.

«Die Gefahr ist, dass er vor seinen aktuellen Schwierigkeiten in den Radsport zurückflieht und nach der wahren Problematik des Menschen nicht gefragt wird. So weit ich weiß, ist an seinem lädierten Knie noch einiges zu tun und sonst sicher auch», sagte die BDR-Präsident, die Ullrich in seinem Exil «dringend professionelle Hilfe» empfahl. «Ich will gar nicht wissen, ob er in den USA oder auf den Malediven oder sonst wo ist. Ich habe gar nicht nachgefragt. Er ist weit weg», sagte Sylvia Schenk, die befürchtet, dass Ullrich unter den nächsten Erwartungsdruck - schafft er sein Comeback oder nicht? - geraten und daran zerbrechen könnte.

Ullrich, zurzeit vom Team Telekom beurlaubt und im Ausland, drohen nach seinem positiven Amphetamin-Befund vom 12. Juni maximal 12 Monate Sperre. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft München nach Ullrichs Fernseh-Beichte vom 6. Juli, bei der er zugab, bei einer Disco-Tour zwei Tabletten geschluckt zu haben. Die Signale stehen zumindest bei der BDR-Gerichtsbarkeit auf milde Strafe. «Objektiv handelt es sich um einen Doping-Fall, aber man muss die besonderen Umstände berücksichtigen», sagte die BDR-Präsidentin, Juristin und frühere Richterin am Arbeitsgericht Offenbach. Das Urteil liegt in den Händen eines dreiköpfigen Gremiums mit dem Frankfurter Rechtsanwalt Peter Barth an der Spitze.

«Wenn ein Comeback gelingen soll, muss sich Jan 100 Prozent mit den Besten messen wollen», sagte sein Arbeitgeber Godefroot, der wie Schenk unterstrich, dass sich zu allererst der Mensch Ullrich wieder finden muss. Laut Godefroot hat Ullrich bei der Tour de France nur bei seinem - aus deutscher Sicht - Epoche machenden Erfolg 1997 100 Prozent seines Leistungsvermögens gebracht. Am nächsten an dieser Traummarke sei er im Vorjahr bei seinem beherzten - aber letztendlich wiederum vergeblichen - Anrennen gegen Lance Armstrong gewesen. «Wir machen Pläne mit zwei Varianten, mit und ohne Ullrich», sagte Godefroot, als er das weitere Engagement seines Sponsors Telekom bis 2005 verkündete.

Die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Bonner Konzern begrüßte Sylvia Schenk, relativierte aber: «Natürlich hat Telekom bisher Standards gesetzt», und auch die Verknüpfung mit dem Fußball komme dem Radsport als Popularitäts-Schub zu Gute, «aber der deutsche Radsport wäre nicht zusammengebrochen, wenn es die Telekom als Sponsor nicht mehr gebe. Wenn die anderen GS I-Teams Coast und Gerolsteiner weiter vernünftig arbeiten, haben wir eine gute Basis.»

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Liège-Bastogne-Liège (1.UWT, BEL)
  • Radrennen Männer

  • Tour of the Gila (2.2, USA)
  • Rutland - Melton Cicle Classic (1.2, GBR)
  • Giro dell´Appennino (1.1, ITA)
  • Visegrad 4 Bicycle Race Grand (1.2, POL)
  • Tour du Jura Cycliste (2.2, FRA)
  • Vuelta a Castilla y Leon (2.1, ESP)
  • Tour of Mersin (2.2, TUR)
  • Tour of Croatia (2.HC, CRO)
  • Tour du Sénégal (2.2, SEN)
  • Asmara Circuit (1.2, ERI)