Profi-Radsport

Tour-Überraschung Rumsas

25.07.2002 -

Aime (dpa) - Raimondas Rumsas hat ganz verschiedene Bewunderer. Zum Tour-Start zählte Lance Armstrong den bereits 30-jährigen Debütanten zum engsten Kreis seiner Konkurrenten und sah sich spätestens in den Pyrenäen bestärkt in seiner hohen Meinung.

Der nicht mehr aktive Uwe Ampler, der nach der Wende als gefeierter DDR-Star als Profi langfristig gescheitert war, hielt schon Ende der 90er Jahre große Stücke auf den Litauer. «Schon damals war klar, dass er mal groß herauskommen kann. Er ist ein Allrounder, im Zeitfahren und am Berg sehr stark», sagte Ampler, der 1998 in dem von einem polnischen Fleischfabrikanten gesponserten Mroz-Team mit Rumsas zusammen fuhr. Allerdings hat Ampler an die von ihm noch einmal gewonnene Friedensfahrt im selben Jahr nicht die besten Erinnerungen: «Ich war Kapitän, er wollte aber lieber auf eigene Kappe fahren und Schwierigkeiten machen.»

Die Zeiten haben sich geändert. Ampler bastelt an einer Umschulung zum Computer-Fachmann. Rumsas, in Diensten des italienischen Lampre- Teams und auf dem Weg, in Paris mindestens Rang 3 im Gesamtklassement zu erreichen, ist ein gefragter Mann. «Armstrong ist unerreichbar. Ich bin auf dem selben Level wie Beloki», zog Rumsas eine kleine Bilanz nach den zwei schwersten Alpen-Etappen.

Der Abstand von 2:18 Minuten zu dem zweitplatzierten Joseba Beloki aus Spanien vor der letzten (leichteren) Alpen-Etappe lässt Rumsas weiter hoffen. Das abschließende Zeitfahren in Macon am vorletzten Tour-Tag über 50 km spricht sicher für den hellblonden Litauer. Beim ersten Kampf gegen die Uhr hatte er Beloki in Lorient über 52 km 1:13 Minuten abgenommen und fuhr nur 16 Sekunden langsamer als Armstrong.

Die Tour ist alles für den Gewinner der Lombardei-Rundfahrt 2000, der so seine Eigenheiten hat. An die mussten sich seine Team-Kollegen erst gewöhnen. «Er hat die Angewohnheit, regelmäßig Knoblauch-Kuren zu machen, um sein Blut zu reinigen», verriet sein Sportlicher Leiter, Pietro Algeri. Mit Rumsas das Zimmer zu teilen, ist im Team nicht Jedermanns Sache.

Sein früherer Kapitän Francesco Casagrande wollte im Vorjahr nicht einmal die Tour mit ihm teilen. Der Italiener mobbte des Litauer, der sich speziell vorbereitet hatte und in Top-Form war - Zweiter bei Paris-Nizza und Gewinner der Baskenland-Rundfahrt -, aus dem Tour- Team von Fassa Bortolo. Deshalb will Rumsas bei seinem Debüt jetzt alles besonders gut machen. Bisher hat er die Experten als die auffälligste Tour-Entdeckung überzeugt.

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