Godefroot bewertet Tour: «Erste Hälfte gut, zweite schlecht»

26.07.2002  | 

Cluses (dpa) - Auch die Tour de France hat zwei verschiedene Halbzeiten - jedenfalls aus Telekom-Sicht. «Die erste Hälfte war gut, die zweite schlecht», zog Team-Manager Walter Godefroot zwei Tage vor Ende der 89. Frankreich-Rundfahrt ein Fazit.

Die Pleite wäre vollkommen, wäre nicht wieder der Weltranglisten-Spitzenreiter Erik Zabel der Ehrenretter. Lediglich als mildernder Umstand kann das Fehlen von Jan Ullrich und Alexander Winokurow gelten. Aber selbst Zabel hält sich immer noch an den Erfolgen der ersten Tourwoche fest: In Alencon feierte der 32-jährige Berliner seinen insgesamt 12. Etappensieg seit 1995, in Reims holte er zum zweiten Mal für einen Tag das Gelbe Trikot. Das Grüne Trikot jedoch, seit sechs Jahren maßgeschneidert für den «Sportler des Jahres», könnte er diesmal in Paris zum ersten Mal seit 1996 verpassen. Der Australier Robbie McEwen scheint zu stark. Aber das würde einem Zabel nicht angerechnet werden. «Wenn wir das Grüne Trikot nicht holen, ärgern wir uns Sonntagabend, Montagabend nicht mehr. Es wäre am Sonntag wichtiger als ein Etappensieg», sagte Teamchef Rudy Pevenage.

Der ehemalige Armstrong-Helfer Kevin Livingston (USA), der wohl keinen neuen Vertrag für 2003 erhalten wird, sein Landsmann Bobby Julich, 1998 Tour-Dritter, Gian Matteo Fagnini (Italien) und Steffen Wesemann, im April Zweiter bei Paris-Roubaix, waren die Schwachpunkte im verwöhnten Telekom-Team. Diese Einschätzung teilte Godefroot nur im Fall Livingston: «Der war schlecht.» Die anderen hätten die geforderte Arbeit geleistet.

Mit Ullrich spielte Telekom im Konzert der Großen mit. Im Moment ist der 35-jährige Udo Bölts, der kurzfristig für den verletzten Winokurow einsprang und für das nächste Jahr aufs Altenteil geschoben wurde, auf Rang 47 mit 1:21:30 Stunden Rückstand auf Lance Armstrong im Gesamtklassement Bester der Mannschaft. «In den Bergen war niemals einer von uns vorne dabei, außer heute. Das geht natürlich nicht», meinte Godefroot nach Giuseppe Guerinis drittem Platz im Ziel der letzten Alpen-Etappe in Cluses.

Eine der Entschuldigungen für die Schwäche von Julich und Livingston: Zu geringe Motivation durch das Fehlen des Kapitäns Ullrich. Der kleine Guerini, 1999 Etappensieger in L`Alpe d`Huez, konnte als Erklärung für kaum erbrachte Leistung wenigstens eine Gastritis anführen. Pevenage: «Mit dieser Mannschaft hätte Jan auch in Topform die Tour nicht gewinnen können.»

Ob der best bezahlte Fernmelder je wieder Topform erreichen wird, ist völlig ungewiss. Deshalb plant Godefroot zweigleisig. Neben den sicheren Neuzugängen Mario Aerts (Belgien) und Christian Werner (Frankfurt) verweist der Telekom-Manager auf eine Liste von neun Namen. Dort sollen - nicht bestätigt und nicht dementiert - unter anderen Oscar Sevilla (Spanien/Vuelta-Zweiter 2001), Santiago Botero (Kolumbien/zweifacher Etappensieger), Paolo Savoldelli (Italien/Giro- Gewinner 2002), Cadel Evans (Australien/Rosa Trikot beim Giro`2002) und Raimondas Rumsas (Litauen/im Moment Tour-Dritter) stehen.

Wenn es ganz unerwartet kommt, stehen auf der Liste der Abgänge mehr als die bisher bekannten vier Namen. Der beurlaubte Ullrich, soll Kontakt zu seinem früheren Team-Kollegen Bjarne Riis aufgenommen haben. Dem Dänen fehlt nach dem Karriere-Ende Laurent Jalaberts ein großer Name im TSC Tiscali-Team. «Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass sich Jan zu den augenblicklichen Problemen auch noch mit einem Team-Wechsel belastet. Ich bin sicher: Er kommt im nächsten Jahr wieder - bei uns», sagte Pevenage.

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