4. Tour-Sieg nur als Station: Armstrong will die Einmaligkeit

28.07.2002  | 

Paris (dpa) - Nach der Tour ist vor der Tour. Die abgewandelte Fußball-Weisheit bleibt weiter Lance Armstrongs Motto. Während er die Sportwelt durch seinen ununterbrochenen Parforceritt durch Frankreich seit 1999 weiter in Atem hält, hat er das nächste Ziel fest im Visier. Nach seinem Sieg Nummer vier steht Nummer fünf im Tour- Jubiläums-Jahr 2003 bevor.

Im Hochleistungssport der Gegenwart ist Armstrong eine der großen Konstanten. «Im nächsten Jahr kommt er zur Tour, um sie wieder zu gewinnen», kündigte sein Teamchef Johan Bruyneel (Armstrong: «Wir sind beide Fanatiker») an, und es gibt keinen Widerspruch.

Gelänge das dem 30 Jahre alten Amerikaner, hätte er mit dem spanischen Rekordhalter Miguel Indurain gleichgezogen. Außerdem könnte Armstrong auf dem Tour-Olymp neben Jacques Anquetil, Eddy Merckx (Belgien) und Bernard Hinault Platz nehmen. Die Kategorie der «Übermenschen» in der 99-jährigen Tour-Geschichte ist nämlich unterteilt. Die beiden Franzosen und der Belgier haben auch fünf Siege in ihrer Vita - aber nicht in Folge. Die Zeremonie war für den vierfachen Gewinner des Gelben Trikots und dreifachen Vater am Sonntag Routine. «Ein totaler Sieg», titelte die «L`Equipe».

«Ich sehe keinen, der Armstrong in Zukunft erreichen könnte», sagt Merckx. Bruyneel prognostizierte nur so viel: «Er will den Toursieg 2003. Was danach wird, kann ich nicht sagen. Bei Lance ist die Lust auf die Tour entscheidend, sie ist seine Passion.» Seine Zukunftspläne ließ Armstrong, der im Tour-Anschluss auch zwei Mal in Deutschland starten will, erahnen: «Mein Team war das beste, das ich je hatte. Ich hoffe, wir können so noch zwei Jahre weiter machen.» Jedenfalls läuft sein Vertrag bei US-Postal sicher nicht zufällig 2004 aus. Die Trophäe Nummer sechs böte die Chance für Einmaligkeit.

Armstrong sieht sich selbst nicht so sehr als der Jäger der goldenen Tour-Schätze. «Ich möchte als überlebender Krebs-Patient, der die Tour gewann, in Erinnerung bleiben. Die Öffentlichkeit und die Presse entscheiden, welche Marke ich im Radsport hinterlassen werde», sagte Armstrong. Er war 1998 nach einer Zwangspause von 518 Tagen mit Operationen, Chemotherapien und unendlichem Leid in den Radsport zurück gekommen und hatte sich zum unwiderstehlichen Toursieger gewandelt.

Verdächtigungen, die das unglaubliche Comeback beförderten, hörten nicht auf, wurden aber nie durch positive Doping-Proben belegt. Zwar gab Armstrong erneut weiter bestehende Kontakte zu dem umstrittenen Mediziner Michele Ferrari zu, der sich seit Monaten vor der italienischen Justiz verantworten muss. Aber haushohe Überlegenheit ist noch lange kein Beweis für unlautere Methoden. Die warfen ihm in diesem Jahr mehrmals alkoholisierte Zuschauer am Straßenrand («Doper, Doper») vor. Ihnen unterstellte der 30-jährige Texaner eine ähnlich «kranke Mentalität» wie einigen Journalisten, die ihn stets verdächtigten, «weil sie es nicht fassen, dass ein Krebs-Patient die Tour gewinnen kann».

Telekom-Teamchef Rudy Pevenage nennt Armstrongs Tour-Leidenschaft «Besessenheit», die er auch Jan Ullrich empfiehlt, wenn er es mit seinem geplanten Comeback ernst meint: «Er muss die Tour 12 Monate im Jahr leben.» Ullrich hatte 2001 6:44 Minuten hinter Armstrong keine Chance, Joseba Beloki (Spanien) hechelte diesmal auf Platz zwei mit einem Abstand von 7:24 Minuten hinterher. «1999 vor meinem ersten Toursieg war ich noch sehr aufgeregt, weil ich befürchtete, sie noch verlieren zu können. Diesmal half mir mein Team und meine Erfahrung», sagte Armstrong.

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