Profi-Radsport

Zabel: Grünes Trikot verpasst - Trotzdem Erfolgs-Bilanz

28.07.2002 -

Paris (dpa) - Erik Zabel war mit einer soliden Bilanz der erfolgreichste deutsche Tourfahrer und gleichzeitig der große Verlierer. Zum ersten Mal seit 1996 verpasste der Spitzenreiter der Weltrangliste «sein» Grünes Trikot. Der Australier Robbie McEwen verhinderte den siebenten Sieg Zabels in der Punktwertung, die den 32-jährigen Berliner längst als unerreichten Rekordhalter führt.

Der deutsche «Sportler des Jahres» musste sich in Paris im Rückblick auf die 89. Tour de France mit seinem Gelben Trikot von Reims und seinem Etappensieg in Alencon - dem insgesamt 12. seiner Tour-Karriere - trösten. Ein Resümee, das die meisten Radprofis der Welt überglücklich machen würde.

«Ich bin am 7.7.77 geboren. Die Zahl hat für mich eine besondere Bedeutung. Aber auch ohne das Trikot habe ich sicher keine armselige Tourleistung geboten. McEwen ist im Moment in Bezug auf die Endgeschwindigkeit und den Antritt der wahrscheinlich beste der Welt», sagte der faire Verlierer, den der Verlust des Trikots nicht überraschen konnte. «Die Chance, es zurück zu holen, liegen bei 48 Prozent», hatte Zabel, den die Schlagzeilen über den gar nicht anwesenden Jan Ullrich wieder in die zweite Reihe der öffentlichen Wahrnehmung versetzt hatten, vor dem Zeitfahren am vorletzten Tour- Tag vorgerechnet.

Die erneute Erringung des Trikots sei laut Zabel «eine Prestigefrage» gewesen. Für das Misslingen suchte der gebürtige Berliner die Gründe bei sich. «Eine Schlussfolgerung der Saison 2002 wird sein, dass ich in Zukunft versuchen werde, etwas kürzer zu treten. Ich hatte die Rechnung für die anstrengende Vorsaison, in der ich 147 Renntage bestritt, schon im Februar und März erhalten. Im Mai und Juni lief es dann wieder besser bei mir. Aber ich bin schon frischer an einen Tourstart gegangen», sagte der vierfache Gewinner von Mailand-San-Remo, der sein Lieblingsrennen im März diesmal Mario Cipollini überlassen musste.

Mit dem exzentrischen Italiener rechnet Zabel, der auf den Champs Elysees als Etappen-Siebter die Tour beendete, auch bei der Weltmeisterschaft im Oktober in Zolder/Belgien, obwohl Cipollini eigentlich seinen Rücktritt erklärt hat. Die Titelkämpfe sind jetzt Zabels wichtigstes Datum in diesem Jahr. Davor wird er versuchen, beim einzigen deutschen Weltcup-Rennen in Hamburg am kommenden Sonntag seinen Vorjahressieg bei den HEW-Cyclassics zu wiederholen.

«Danach werde ich es zwei Wochen etwas ruhiger angehen lassen und einige Kriterien bestreiten. Dann bestreite ich die Holland-Rundfahrt und die Vuelta, um mich in WM-Form zu bringen», steckte der nimmermüde Marathon-Mann aus Unna sein weiteres Programm der Saison ab. McEwen, erster australischer Sieger in der Punktwertung, lobte seinen Vorgänger am Sonntag über den grünen Klee: «Seine Konstanz über mittlerweile zehn Jahre ist unglaublich. Er besteht den ungeheuren Druck, hat große Erfolge auf vielen Gebieten erzielt und hier bewiesen, das sein Team ohne Ullrich auf ihn zählen kann.»

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