Profi-Radsport

Durchwachsene Bilanz für titellosen BDR bei Bahn-WM

29.09.2002 - Kopenhagen (dpa) - Wieder keinen Titel und eine Blamage im Männer- Sprint haben dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) eine durchwachsene Bilanz bei den Weltmeisterschaften beschert. Mit einmal Silber und fünf Mal Bronze haben die Bahnradfahrer in Kopenhagen die Vorgabe des Verbandes von sechs Medaillen trotzdem erfüllt.

«Wenn man so will, fehlen zehn Goldmedaillen. Im Großen und Ganzen sind wir nicht unzufrieden. Für uns ist dieses Jahr eine Standortbestimmung und ein Experiment. Wir geraten nicht in Panik. Es zählt 2003 und 2004, daran lassen wir uns messen», resümierte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk die von Australien dominierten Titelkämpfe.

Die beste Platzierung in der neu erbauten «Siemens Arena» fuhren Christian Bach (Erfurt), Guido Fulst (Berlin), Sebastian Siedler (Gera) und Jens Lehmann (Leipzig) mit ihrem zweiten Platz in der 4000-m-Mannschaftsverfolgung heraus. Das Quartett wurde nur von den in diesem Jahr als unschlagbar apostrophierten Australiern bezwungen.

Dritte Ränge in Einzel-Wettbewerben belegten Rene Wolff (Erfurt) im Keirin, Jens Lehmann in der 4000-m-Einerverfolgung, Stefan Steinweg (Friesenheim) in der chaotischen Scratch-Premiere sowie Katrin Meinke (Cottbus), die im «kleinen Sprint-Finale» Kathrin Freitag (Frankfurt/Oder) bezwang. Als Mannschaft gewannen Jens Fiedler (Chemnitz), Sören Lausberg (Berlin) und Carsten Bergemann (Heidenau) Bronze im Team Sprint.

Doch gerade für die Sprinter wurde die 250 m lange Piste aus sibirischer Fichte zum Holzweg statt zum erhofften Erfolgsweg. Erstmals seit 1996 verpassten die deutschen Starter komplett den Einzug ins Halbfinale. Der zweimalige Olympiasieger Fiedler und Matthias John schieden im Viertelfinale aus, Wolff schon zuvor im Hoffnungslauf des Achtelfinales. «Mit John und Wolff bin ich zufrieden», erklärte Bundestrainer Detlef Uibel. Dem mit berechtigten Medaillenambitionen gestarteten deutschen Meister Jens Fiedler warf er hingegen «Fehler im taktischen Bereich» vor.

«Das Abschneiden ist genauso dürftig wie im vorigen Jahr», bekannte Fiedlers Trainer Jörg-Uwe Krünägel geknickt, «das Bronze im Team Sprint wiegt diese Niederlage nicht auf.» Für das frühe Aus seines Schützlings übernahm er «zu mehr als 50 Prozent» die Verantwortung. «Physisch hat er was drauf. Aber ich habe es nicht verstanden, ihn psychisch so vorzubereiten, dass er im Finale steht. Trainer ist vielleicht meine Berufung, aber nicht mein Beruf», geißelte sich der Freizeit-Coach, der sein Geld in Berlin als Betonsanierer verdient.

Auch Jens Fiedler selbst saß bedrückt in der Mannschaftsbox. «Mich befriedigt eine Bronzemedaille nicht», sagte der 32-jährige Sprint- Star. Allerdings verteidigte die Fernbetreuung durch Krünägel. «Die Zusammenarbeit mit meinem Trainer ist sehr fruchtbar», stellte er klar. Vielmehr monierte der Sachse fehlende nationale Konkurrenz für die gegenseitige Motivation. «Wenn die jungen Wilden kommen, kann ich das nur begrüßen. Aber sie kommen nicht», urteilte er kritisch. Zudem hat Fiedler die Leistungsfähigkeit der Konkurrenz überrascht. «Dieses Jahr war das Niveau ein ganzes Stück höher als voriges Jahr, das ist nicht entmutigend, aber erschreckend beeindruckend.»

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