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27.10.2000 -
Manchester (dpa) - Es war die Geste, die in diesem Jahr für Jens Lehmann zur Routine wird. Er kniete sich auf die Radrennbahn, auf der er soeben Gold geholt hatte und küsste sie. Nach dem Olympiasieg in Sydney mit der Mannschaft gewann der deutsche Bahnvierer bei den Weltmeisterschaften in Manchester ebenfalls Gold.
Dabei fehlte mit Robert Bartko (Berlin) der Doppel-Olympiasieger. Doch «Ersatzmann» Sebastian Siedler (Gera) fügte sich nahtlos ein. Bundestrainer Bernd Dittert war nach dem Finalsieg über Gastgeber Großbritannien völlig aus dem Häuschen. «Das ist mehr als Weltklasse. Ich kann mir weder die Leistung noch die Wahnsinns-Zeit erklären. Wir sind nicht mit einer 4:05 Minuten Weltmeister geworden, sondern mit 4:01,322 Minuten. Es gibt kaum ein Team, das solche Zeiten am Fließband fahren kann», sagte er. Besonderes Lob erntete «Youngster» Siedler, der mit 21 Jahren jüngste Fahrer im Aufgebot: «Vor ihm muss man den Hut ziehen. Dass er so lange mitfahren kann, hätte ich nicht gedacht», so Dittert.
Jens Lehmann, der in Engelsdorf bei Leipzig wohnt, kommt aus dem Feiern nicht mehr heraus. «Wir sind über uns hinaus gewachsen. Die Zeit ist sensationell», strahlte er. Die Vorwürfe über mangelnde Motivation konnte er zu keinem Zeitpunkt nachvollziehen. «Wenn ich fahre, dann will ich gewinnen», hatte der Routinier immer wieder betont. 25 Läufe über 4 000 m hat «Lehmi» mit vollem Anschlag dieses Jahr bestritten. Nach den Erfolgen in Sydney hat er noch vor Ort trainiert, war danach krank. Bei der Hessen-Rundfahrt lief es gut. «Da war klar, dass hier auch was drin ist», sagte der Sachse.
Dennoch hatten für ihn die Briten die Favoritenrolle inne. Eine technisch anspruchsvolle Bahn, dazu das frenetische Publikum im Rücken. Doch die Hausherren waren übermotiviert, leisteten sich einen Fehlstart. «Das haben wir genutzt», analysierte der Rand-Leipziger. Für ihn steht fest, bis zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen weiter zu machen. «Bis dahin will ich noch viele WM-Medaillen sammeln», erklärte er lachend. Gut möglich, dass dann erneut der Bahnvierer von Sydney an den Start geht. Auch Guido Fulst will Athen erleben. Daniel Becke gab zu, von der Straße in zwei Jahren wieder auf die Bahn zurück kehren zu wollen, und auch Robert Bartko hat das 250-Meter-Oval nicht aus den Augen verloren. Mit Sebastian Siedler und Christian Bach stehen zudem erstklassige Nachfolger bereit.
Lediglich Christian Lademann scheint nach seinen verbalen Entgleisungen in Australien («Ich bin der beste Verfolger») außen vor. «Er hat seine Chance gehabt. Ich weiß nicht, ob er noch eine bekommt. Wenn vier Mann Gold und den Weltrekord holen, sind die besten gefahren», machte Bernd Dittert klar. Unruhe von außen will er gar nicht erst aufkommen lassen. Es geht auch ohne Lademann. Der Erfolg gibt dem Bundestrainer Recht. Am Sonntag will Lehmann noch Gold in der Einerverfolgung.
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