Pevenage verlässt Telekom - Tandem mit Ullrich

01.01.2003  | 

Berlin (dpa) - Jan Ullrich besinnt sich beim geplanten Neuanfang immer mehr auf altbekanntes Personal. Rudy Pevenage, seit 1994 sportlicher Leiter bei Telekom, zündete mit seiner überraschenden Kündigung einen ganz besonderen Silvester-Kracher und schloss sich dem Olympiasieger bei der Arbeitsplatz-Suche an.

Manager Wolfgang Strohband will mit Ullrich, dessen langjährigem Trainer Peter Becker, Pevenage und Tobias Steinhauser vom Team Gerolsteiner bei Coast landen. Die Aussichten, ins ursprüngliche Wunschteam CSC zu Bjarne Riis zu wechseln, sind sehr geschrumpft, weil der Däne nicht genug Geld auf den Tisch legen kann.

Unter dem Gesichtspunkt des neu im Angebot stehenden Vierer- Paketes wirkt die Schwindel erregende Summe von zehn Millionen Euro, die Ullrich für einen Drei-Jahre-Vertrag angeblich von Coast geboten wurden, nicht mehr so unrealistisch. «Unser Angebot liegt deutlich darunter. Wir haben Zusagen von Sponsoren, zu kommen, wenn Ullrich bei uns unterschreibt», sagte der zu Silvester aus Australien zurückgekehrte Coast-Manager Marcel Wüst. «Die Entscheidung fällt in den nächsten 14 Tagen. Es gibt neben Coast noch andere Alternativen», erklärte Pevenage.

Nach dem Rückzug Ullrichs, der nach seiner Doping-Sperre erst ab 24. März wieder startberechtigt ist, steht das Team Telekom nach dem Weggang von Pevenage vor der nächsten Zäsur. Der 48-jährige Teamleiter aus Belgien machte seinem bisherigen Assistenten Mario Kummer Platz. Mannschafts-Sprecher Olaf Ludwig soll mehr in den sportlichen Bereich integriert werden. Zudem erhielt Thomas Schediwie, bisher Trainer des Paris-Roubaix-Zweiten Steffen Wesemann, eine Festanstellung.

«Ich habe meine Entscheidung Manager Walter Godefroot am Montag mitgeteilt. Als klar wurde, dass es mit dem angestrebten Wechsel zu Bjarne wohl nicht klappen wird, bat mich Jan um ein Gespräch. Ich musste mich dann schnell entscheiden, weil Telekom am 5. Januar ins Trainingslager nach Mallorca fährt. Bei welchem Team wir landen, steht noch nicht fest. Bei Bjarne wäre Jan in guten Händen gewesen, da wäre ich sicher nicht mitgegangen», sagte Pevenage, der im Team Telekom großen Anteil an den Erfolgen von Ullrich und Zabel in den vergangenen acht Jahren hatte. Sein Rückzug sei aus «persönlichen und familiären Gründen» erfolgt, hieß es auf der Telekom-Internetseite.

Coast hat aber noch Probleme zu lösen. Der internationale Radsportverband UCI hat den Essenern, sportlich 2002 laut Weltrangliste das erfolgreichste deutsche Profi-Team, bisher die GS-I-Lizenz für 2003 verweigert. Grund: Zweifel an der finanziellen Solidität des Teams, das quasi aus der Privatschatulle des Essener Fachhändlers für Freizeitkleidung bezahlt wird.

Teamchef Günther Dahms hat noch bis 10. Januar Zeit, die Zweifel der UCI auszuräumen. Sollte Coast der Erstliga-Status verwehrt bleiben, dürften weder der erstmalige Start bei der Tour de France, noch der geplante Transfer zu Stande kommen. «Ich gehe davon aus, dass wir die Lizenz erhalten», sagte Ex-Sprinter Wüst.

Die Gespräche mit den Rennställen seien «in der entscheidenden Phase. In den nächsten zwei Wochen wird mein neues Team feststehen», vermeldete Ullrich zum Jahreswechsel auf seiner Internetseite. Seit Wochen trainiere er nach zwei überstandenen Knie-Operationen täglich drei Stunden «ohne jegliche Beschwerden».

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