Warten auf Ullrichs Unterschrift bei Coast

12.01.2003  | 

Berlin (dpa) - Die UCI half Jan Ullrich in den Sattel, aber richtig Fahrt hat er noch nicht aufgenommen. Nachdem der Internationale Radsport-Verband dem Essener Rennstall Coast die Lizenz zum Fahren in der ersten Liga der stärksten 30 Teams erteilt hat, ist der Weg für eine Unterschrift des Olympiasiegers frei. Trotz einiger Unklarheiten über die Finanzierung und über Ullrichs gesundheitliche Perspektive.

Am Mittwoch soll der 29-Jährige unterschreiben, bestätigte der frühere Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, der bei den Bonnern kündigte, um Ullrich künftig weiter begleiten zu können. Der groß angekündigte Co-Sponsor wird sich im Industrie-Denkmal des Zollvereins Essen noch nicht präsentieren. «Das dauert noch», sagte Coast-Sprecher Marcel Wüst, dessen Chef den Ruf eines Finanz-Jongleurs genießt.

Trotzdem atmete die Hauptperson des enervierenden Vertragspokers mit zum Teil skurrilen Nebenerscheinungen auf. «Ich freue mich, dass Coast die Lizenz erhalten hat und endlich ein bisschen Ruhe einkehren wird», erklärte der wegen seines positiven Doping-Befundes vom Juni 2002 noch bis 23. März dieses Jahres gesperrte Ullrich. In den Wirren der verschiedenen Vertragsangebote seit September hatten sich sogar die Pantani- und Cipollini-Sponsoren sowie das GS III-Team Wiesenhof mit einer Mini-Offerte zu Wort gemeldet.

Das UCI-Council hatte am Freitagabend in Aigle/Schweiz Coast den GS I-Status neben fünf weiteren Teams bestätigt und damit die finanzielle Saisonplanung der Mannschaft sanktioniert. Telekom und Gerolsteiner hatten die Lizenz bereits am 20. Dezember erhalten. Allerdings soll Coast seine hinterlegte Bankbürgschaft von weit über einer Million Euro erhöhen. Damit reagierte die UCI wahrscheinlich auf angebliche Unregelmäßigkeiten des Teams in der Vergangenheit. Vier ehemalige Fahrer fordern noch Geld und drohen mit Klage.

Die Nachprüfung durch die UCI war nötig geworden, nachdem Coast die Unterlagen zu knapp vor dem eigentlichen Stichtag eingereicht hatte. Das von dem Mode-Fachhändler Günther Dahms gesponserte Team aus Nordrhein-Westfalen soll dem Vernehmen nach rund sieben Millionen Euro für Ullrich, Pevenage und den früheren Gerolsteiner-Profi Tobias Steinhauser (Scheidegg) bezahlen. Der geheimnisvolle Co-Sponsor bleibt noch in der Deckung - oder existiert vielleicht gar nicht.

Nach seinem positiven Doping-Befund und der anschließend verhängten Sechs-Monats-Sperre hatte das Telekom-Team Ullrichs Vertrag Ende Juli 2002 gekündigt. Ein neues, modifiziertes Angebot hatte er nicht angenommen. Lange schien der CSC-Rennstall seines ehemaligen Team-Kollegen Bjarne Riis die bevorzugte neue Anlaufstelle für das geplante Comeback. Aber der Transfer scheiterte vor allem aus finanziellen Gründen. Danach avancierte Coast zum neuen Favoriten Ullrichs. Trotz gegenteiliger Beteuerungen ging es bei der Monate langen Teamsuche doch wohl nur um die rechten Bezüge.

Der Tour-Sieger von 1997 trainiert seit November vorsichtig für sein angestrebtes Comeback. Vom kommenden Donnerstag an soll er mit seinem neuen Team ins Trainingslager nach Gandia/Spanien fahren. «Wir bleiben aber nur neun Tage. Jan wird individuell trainieren, weil er natürlich noch nicht so weit wie die anderen ist», so Pevenage, der schon am Wochenende von Coast mit Handy und eigener E-Mail-Adresse versorgt wurde. Die einen Tag nach Ablauf seiner Sperre beginnende Katalanische Woche soll Ullrichs erster Wettkampf sein, sofern der Heilungsprozess nach zwei Knie-Operationen weiter positiv verläuft.

Mit dem Vuelta-Sieger von 2001, Luis-Angel Casero, Deutschland- Tour-Gewinner David Plaza, Aitor Garmendia (alle Spanien), dem zweifachen Tour-Zweiten Alex Zülle (Schweiz) und Ullrich dürfte Coast im Juli eine starkes Team für die erstmalige Teilnahme an der Tour de France stellen können. «Drei Teams bei der Tour - das gab es noch nie. Der deutsche Radsport lebt», meinte Marcel Wüst erfreut.

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