Telekom-Neuorientierung: Zabel will kürzertreten

29.01.2003  | 

Berlin (dpa) - Das Team Telekom, das ins 13. Profi-Jahr geht, steht 2003 vor einem Neuanfang. Der Weggang Jan Ullrichs zum nationalen Konkurrenten Coast zwang die mit einem Jahresetat von rund zehn Millionen Euro immer noch teuerste Profi-Mannschaft Deutschlands zur totalen Neuorientierung.

Der Weltranglisten-Spitzenreiter Erik Zabel will als verlängerte Arm der Teamleitung bei der persönlichen Jagd nach Erfolgen etwas kürzertreten. Die sechs Neulinge um den kolumbianischen Zeitfahr-Weltmeister Santiago Botero und Cadel Evans (Australien) wollen dem vierfachen Tour-Sieger Lance Armstrong (USA) beim Saisonhöhepunkt im Juli den Kampf ansagen. «Ich will bei der Tour so stark sein, dass das ganze Team für mich fährt», sagte Botero, der bei der Team-Präsentation in Berlin sogar die Botschafterin seines Landes begrüßen konnte.

Für den Neuanfang wurde den 25 Telekom-Profis - bei rund 50 Prozent laufen in diesem Jahr die Verträge aus - die Zukunftsangst genommen. «Wir stehen zu unseren Verträgen», sagte der trotz seines Ausscheidens bei Telekom weiter für den Sponsorbereich zuständige ehemalige Kommunikations-Direktor Jürgen Kindervater in Berlin. Das Bonner Unternehmen will sein teures Radsport-Engagement bis 2005 weiterführen. Aber Profi Rolf Aldag (Ahlen) weiß auch: «Wir sind in der freien Wirtschaft tätig - ohne Erfolg wird es schwer.»

«Wir sind im Kollektiv stärker und jetzt wahrscheinlich in der Breite die stärkste Mannschaft der Welt - dafür fehlt der einzige große Star, auf den alles ausgerichtet ist», sagte Team-Manager Walter Godefroot, der dem ehemaligen Mountainbike-Weltcup-Sieger Evans zutraut, «ein Mal die Tour de France zu gewinnen.» Zabel sei «reifer und älter geworden» und soll zukünftig den Part des «Leiters und Lenkers im Rennen übernehmen», sagte der neuerdings als «Sport- Direktor» titulierte Mario Kummer, der den mit Ullrich gegangenen Rudy Pevenage ersetzt.

«Siege waren bei mir bisher der Normalfall. Für 2. Plätze geriet ich schon in Rechtfertigungszwang. Das muss nicht mehr sein. Mir bricht auch kein Zacken aus der Krone, wenn ich bei der Tour das Grüne Trikot nicht zum sienten Mal hole», so Zabel, der seine Prioritäten etwas verändern will und vielleicht dem zweiten Top- Sprinter im Team, Danilo Hondo (Cottbus), öfter mal den Vortritt lassen will. «Wie das läuft, entscheiden die Rennen», sagte Godefroot, dem eine ähnliche Wachablösung vorschwebt wie 1995, als der jetzige Team-Sprecher und damalige Weltcup-Sieger Olaf Ludwig Zabel an die Hand nahm und ihn in die Weltspitze führte.

Für das erste Weltcup-Rennen am 22. März in Italien will sich aber noch der «alte» Zabel präsentieren: «Natürlich würde ich Mailand-San-Remo am liebsten zum fünften Mal gewinnen», erklärteder 31-jährige Berliner, der deshalb sein Vorbereitungsprogramm etwas änderte und zum ersten Mal seit zehn Jahren in der Vorbereitung der Murcia- Rundfahrt in Spanien den Vorrang vor der Valencia-Rundfahrt (mit Hondo) gibt. Die besondere Konkurrenz-Situation zu den beiden anderen deutschen GSI-Teams, Coast und Gerolsteiner, sieht Aldag gelassen: «Wir sind auf dem Weg zurück in die Weltspitze - da fahren wir gegen CSC, Coast und alle anderen Mannschaften.»

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