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28.10.2000 -
Manchester (dpa) - Jan van Eijdens Schrei nach dem Gewinn des Sprinttitels bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft in Manchester war unüberhörbar. Zum ersten Mal seit 1991 holte der Dudenhofener am Freitagabend wieder einen Sprinttitel nach Deutschland, es war der 19. bei einer Weltmeisterschaft.
Dabei war der heute 24-Jährige in den vergangenen Jahren schon abgeschrieben worden: Er habe zu viele Ratgeber und könne nie an Jens Fiedler, seinem Kollegen beim XXL Erdgas Team Chemnitz, vorbeiziehen. Nun hat es Jan van Eijden allen gezeigt.
Der «Kurze», wie ihn seine Freunde wegen seiner geringen Körpergröße und der stämmigen Figur nennen, feierte seinen bislang größten Erfolg, indem er Titelverteidiger Laurent Gané mit einer taktischen Meisterleistung schlug. «Ich hoffe, ich habe die Wende eingeleitet und die Ära der französischen Sprintsiege ist vorbei», sagte der Dudenhofener. Nach dem Pech in den vergangenen Jahren war ihm diesmal das Glück hold. 1995 war der WM-Titel im Olympischen Sprint der letzte große Wurf für ihn. 1996 fehlte er bei Olympia, 1998 wurde er bei der WM in Bordeaux disqualifiziert, 1999 in Berlin wegen eines zu hohen Hämatokritwertes ausgeschlossen.
«Das nagte an mir. Aber nun konnte ich die Gunst der Stunde nutzen», so van Eijden. Dass sein Freund und Hauptkonkurrent Jens Fiedler wegen einer fiebrigen Erkrankung auf das Halbfinale verzichtete, verschweigt er nicht. Ebenso wenig, dass mit Florian Rousseau (Frankreich) und Olympiasieger Marty Nothstein (USA) zwei der Topfavoriten fehlten. «Aber ich habe den Titelverteidiger geschlagen, deshalb hat der Triumph für mich schon einen verdammt hohen Stellenwert», erklärte der Sportsoldat. Die Taktik, schon in der ersten Runde einen überraschenden Antritt zu wagen, war eine von vielen Möglichkeiten. Sprintlegende Michael Hübner, seit einigen Tagen sportlicher Berater des XXL-Teams, legte zusammen mit Trainer Karsten Schmalfuß die Marschrichtung fest.
«Gane und der Italiener Roberto Chiappa haben sich in den drei Halbfinalläufen weh getan. Da baut man viel Laktat auf und übersäuert irgendwann. Da wollten wir dem Franzosen noch eins drauf geben und ihn ganz ansäuern», freute sich Hübner über das Glanzstück. Wichtig war, die Taktik im Kopf zu haben und durchzuziehen. «Ich habe ihm gesagt, an Bordeaux 1998 zu denken, da holte er sich Tipps von drei Leuten und scheiterte. Diesmal zog er eine Linie knallhart durch, das brachte den Erfolg», schilderte Trainer Schmalfuß die letzten Minuten vor dem Finale.
Hübner spielte dabei die entscheidende Rolle. «Jan und Jens brauchen den Ex-Profi als Reibepunkt. Für Jan ist Micha ein väterlicher Freund. Er sorgt für den berühmten Tritt in den Hintern», sagte der Coach über die Rolle seines ehemaligen Schützlings. Ob van Eijden damit aber schon die Wachablösung in Deutschland geschafft hat, bezweifeln beide Experten. «Jan fängt an, in ein gutes Rennfahreralter zu kommen. In zwei, drei Jahren wird er endgültig die Nummer eins im deutschen Sprint sein», schaute Hübner voraus. Auch der neue Weltmeister selbst wollte von einem Heraustreten aus Fiedlers Schatten nichts wissen. «Jens ist absolute Weltspitze. Ich bin heilfroh, dass ich nicht gegen ihn fahren musste. Um seine Erfahrung und Erfolge zu haben, fehlt mir noch einiges.»
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