Profi-Radsport

Deutschland Tour

Ullrich: Mit 120 Kilo ins Bergtrikot

31.05.2004 - Karlsruhe (dpa) - Mit einem Paukenschlag eröffnet Jan Ullrich die Deutschland-Tour. In seinem zweiten Rennen nach fünfwöchiger Trainings-Phase belegte er mit nur 24 Sekunden Rückstand auf Tagessieger Michael Rich (Emmendingen) den zweiten Platz. Der Profi des Gerolsteiner-Teams gewann das Zeitfahren über 23,7 km in Karlsruhe in 27:20 Minuten.

“Damit habe ich nicht gerechnet“, erstaunte der Rostocker sogar seinen persönlichen Betreuer Rudy Pevenage. Durch sein überraschend gutes Abschneiden ist Ullrich jetzt sogar ein Kandidat für den Gesamtsieg der Rundfahrt, die in Leipzig endet. In Erfurt hatte er nach langer Renn-Abstinenz mit Rang fünf schon aufhorchen lassen. «Die Form geht nach oben. Die schlechten Pfunde sind geschmolzen, die guten sind geblieben», beschrieb sich Ullrich in Karlsruhe, wo nach Veranstalter-Angaben rund 250 000 Zuschauer am Straßenrand standen. «Es lief heute viel besser bei mir als erwartet. Ich bin auf dem richtigen Weg», sagte Ullrich, der auf der 2. Etappe das Bergtrikot tragen wird, weil er am höchsten Punkt der flachen Zeitfahrstrecke die Bestzeit hatte. Da war er auch zu Scherzen aufgelegt: «Schön, dass ich mit 120 Kilo mal ein Bergtrikot habe.»

Beim Flèche Wallonne vor fünf Wochen war er nach 100 km schnaufend vom Rad gestiegen. Eddy Merckx («zu dick») und andere mäkelten heftig an seinem Zustand. Ullrich im Rückblick: «Da wurde viel übertrieben. An meiner Tür in Scherzigen klingelten Fans und schienen sich zu wundern, dass ich noch durch den Türrahmen passe.» Zwei Erkältungen im Januar und Februar und viel «Herumgereiche bei Ehrungen» hätten ihn zum Jahresbeginn in der Vorbereitung auf seinen zweiten Toursieg nach 1997 zurückgeworfen. Jetzt scheint aber alles wieder im Lot: «Wenn die Sonne höher steigt, läuft mein Motor langsam warm. Die Pause habe ich auch für den Kopf gebraucht.»

Letztes Jahr - noch im Bianchi-Trikot - lief ihm der Formaufbau «leichter von der Hand». Aber nach seiner Trainingsklausur in der Schweiz und Frankreich «ist die Form jetzt ähnlich wie im vergangenen Jahr zu dieser Zeit». Im oberen Pulsbereich bei 190 Schlägen pro Minuten «fehlt mir noch etwas». Aber die Rundfahrten durch Deutschland und die Schweiz sollen Ullrich das letzte Quäntchen bringen. Ullrichs optimaler Zeitplan: «Am besten ich habe am Tourstart am 3. Juli in Lüttich noch nicht Topform, sondern erst mit Beginn der Pyrenäen-Etappen. Die letzten fünf Alpen-Etappen werden der Hammer und die Tour entscheiden.»

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