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21.06.2004 - Lugano (dpa) - In der Schweiz kam die Gewissheit: Jan Ullrich ist für Frankreich gerüstet. Der 30-jährige Olympiasieger hat die in zwei Wochen in Lüttich beginnende Tour de France mit Selbstbewusstsein und Optimismus ins Visier genommen.
«So stark war Jan bei der Tour de Suisse noch nie. Er wird mit noch besserer Form an den Tour-Start gehen als vor einem Jahr», konnte sein Betreuer Rudy Pevenage zufrieden konstatieren: «Jetzt fehlt nur noch ein ganz bisschen am Top-Niveau.»
Auch für Ullrich selbst, der seinem Vorbereitungs-Plan noch im April hinterher hinkte, stimmen die Parameter jetzt. «Ich werde von Tag zu besser und erhole mich schnell, mein Gewicht geht weiter nach unten, die Zusammenarbeit zwischen Pevenage und Mario Kummer klappt», stellte der T-Mobile-Kapitän zufrieden fest, der zum erneuten Duell mit dem fünfmaligen Toursieger Lance Armstrong bestens vorbereitet scheint. Neben eigenen kleinen Trainings-Rückstanden hatte das schwierige Verhältnis zwischen Betreuer und Teamchef lange Anlass für Zweifel am Gelingen des «Unternehmens Gelb» gegeben.
Training vor der Haustür in Scherzingen, Buch-Vorstellung in Köln («Ganz oder gar nicht»), Tour-Team-Präsentation in Bonn, deutsche Meisterschaft in Freiburg, dann Abreise zum Tourstart nach Lüttich: Die Tage nach dem letzten, erfolgreichen Härtetest in der Schweiz sind verplant. «Ich bin auf bestem Weg, ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Am Ende bei der Tour de France noch ein Mal das Gelbe Trikot zu tragen, ist mein Traum», sagte Ullrich.
«Jan hat seit der Deutschland-Tour einen weiteren großen Schritt nach vorn gemacht. Das haben auch seine Leistungen auf den schweren Bergetappen in der Schweiz gezeigt. Das waren härtere Kaliber als St. Anton und Oberwiesenthal vor 14 Tagen. Eine Zielankunft mit 14 Prozent wie am Freitag in Malbun gibt es nicht mal bei der Tour de France. In dreieinhalb Wochen, wenn es in die Pyrenäen geht, wird Jan am Berg noch stärker sein», versprach Pevenage, der sich auch als «Weight watcher» profiliert: «Jan hat weitere ein, zwei Kilo verloren».
Pevenage rechnet mit einem leichteren Tourstart für Ullrich als 2003, als der zweifache Sportler des Jahres zu einem bemerkenswerten Comeback aufgebrochen und in der Endabrechnung Armstrong nach packendem Kampf nur um 61 Sekunden unterlegen war. «Die Geburt seiner Tochter Sarah Maria unmittelbar vor der Tour im Vorjahr sorgte bei Jan zwar für eine große Portion Extra-Motivation. Aber die letzten Tage vor dem Start kam er dadurch fast nicht aus der Klinik und ins Bett. Diesmal geht er stressfreier nach Frankreich», machte Pevenage einen weiteren Vorteil im Vergleich zum Vorjahr aus.
Bei so viel positiven Vorzeichen wiegt der Ausfall des in der Schweiz schwer gestürzten Olympia-Zweiten Alexander Winokurow allerdings schwer und warf die taktischen Planungen des Ullrich-Teams über den Haufen. «`Wino` ist nicht zu ersetzen - das ist klar. Er hat das ganze Frühjahr für die Tour geopfert, wir wollten Armstrong in die Zange nehmen», bedauerte der Toursieger von 1997 das Fehlen seines Freundes, der im Vorjahr mir furchtlosen Dauer-Attacken bis auf Platz drei in Paris vorgefahren war.
Ullrich brach eine Lanze für den umstrittenen, ehemaligen Zeitfahr-Weltmeister Santiago Botero: «Er hat wie ich Grundlagen nachgeholt und hat ansteigende Form. Für das Mannschaftszeitfahren bei der Tour ist er ein wichtiger Mann.» Hinter der Tour-Nominierung des Kolumbianers, der im Vorjahr bei der Tour enttäuschte, steht ein Fragezeichen.
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