Zitat der Woche:
"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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26.07.2004 - Washington (dpa) - In den US-Medien gab es am Tag nach der Tour de France nur zwei große Themen: Lance Armstrong und den Wahlparteitag der Demokraten in Boston.
Keine Zeitung, die den Helden der Nation - nicht John Kerry, den Vietnamkriegsveteranen und Präsidentschaftsbewerber, sondern den Radsportkönig - nicht mit Bildern im Großformat auf ihren Titelseiten gefeiert hätte. «Vive le Lance» jubelte die «Washington Post», und die «New York Times» stellte fest: «Es ist Armstrong, wie immer.»
Viele Blätter ließen Lance mit großen Lettern in die Sportgeschichte radeln, andere auf den «triumphalen Rennrad-Gipfel». Die «USA Today» schwelgte unter dem Titel «Tour de Lance» im sechsten Armstrong-Himmel. Angesichts von Begeisterung und Überschwang waren den Wortschöpfungen keine Grenzen gesetzt - erst recht nicht nach einer eher düsteren Woche, in der die Veröffentlichung des Abschlussberichts der Untersuchungskommission zu den Terroranschlägen vom 11. September weitgehend die Schlagzeilen beherrscht hatte. «Lance, du kommst zur rechten Zeit», hieß es denn auch in einem Rundfunkbericht. «Du bist Balsam für unsere Seelen.»
Natürlich ließen sich auch die politischen Größen nicht lumpen. Vor allem nicht der republikanische Präsident George W. Bush, wie Armstrong ein Texaner und ein Freund und großer Bewunderer des sechsfachen Champions. «Lance, du bist einfach toll» schwärmte Bush in einem Telefonat mit dem strahlenden Sieger. Der Präsident macht zurzeit Kurzurlaub auf seiner texanischen Ranch in Crawford und unterbrach die Arbeit im Garten, um seinen «Buddy» Lance live im Fernsehen über die Ziellinie rollen zu sehen.
Der Präsidentschaftswahlkampf macht natürlich auch nicht vor dem Radsport halt. So pries auch der demokratische Bush-Herausforderer Kerry, selbst ein begeisterter Hobbyradsportler, die Leistung des Siegers auf einer Wahlveranstaltung als «einfach außergewöhnlich» und bekannte: «Ich bin stolz auf Lance Armstrong.»
Gerade Kopf stand Austin, die Heimatstadt des Champions. Hunderte Fans füllten Bars und Pubs, um den «Sohn der Stadt» auf dem Bildschirm ein weiteres Mal siegen zu sehen. Danach hieß es «Hoch die Tassen». Ein Restaurant bot eine kunstvolle Nachspeise an: Ein Fahrrad aus Zitronenschaum mit runden Keksen als Räder. Und «Flance», ein Pink farbener Flamingo aus Plastik, ausgestellt in einer Gärtnerei, wurde an diesem Tag der Tage mit der Siegerfarbe Gelb besprüht.
Dass damit noch nicht aller Tage Abend ist, hofft man natürlich in den USA inständig. Andeutungen von Armstrong, dass er im nächsten Jahr vielleicht noch einmal antreten könnte, nährten die Spekulationen über einen möglichen siebten Sieg. Allein bei diesem Gedanken müssen besonders in den Redaktionsstuben der «USA Today» schon jetzt die Herzen höher schlagen. Schließlich befand die Zeitung bereits nach dem sechsten Erfolg: «Seit der Befreiung von Paris vor 60 Sommern ist kein Amerikaner derart triumphal die Champs-Élysées herunter marschiert wie Lance Armstrong.»
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