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18.08.2004 - Athen (dpa) - In Athen erlebte Jan Ullrich sein griechisches Drama. Trotz für ihn optimaler Verhältnisse brach der Topfavorit auch auf seiner Spezialstrecke völlig ein und fuhr im olympischen Zeitfahren über 48 km an der fest eingeplanten Goldmedaille mit Riesenabstand vorbei.
Vier Tage nach Platz 19 im Straßenrennen blieb dem Olympiasieger von Sydney nach 59:02 Minuten nur Rang sieben; 1:30 Minuten hinter dem Goldmedaillengewinner Tyler Hamilton (USA).
Auch der zweite deutsche Starter Michael Rich aus Emmendingen blieb unter seinen Möglichkeiten und wurde nach 58:09 Minuten Fünfter. «Natürlich bin ich ein wenig enttäuscht, denn ich hatte eine Medaille erhofft. Platz sieben bringt mich aber auch nicht um», war die erste Reaktion Ullrichs, der nun doch die WM im Oktober in Italien fahren will. Erbost war er zunächst an allen wartenden Journalisten vorbeigerollt.
Das geplante Medaillen-Festival der deutschen Radsportler endete in einem Desaster, denn auch Judith Arndt war vorher ohne Medaille geblieben. Neuer Olympiasieger vor 36 Konkurrenten wurde der bei der Tour de France frühzeitig ausgeschiedene Hamilton nach 57:31. Der 38 Jahre alte Sieger von Sydney 2000, Wjatscheslaw Jekimow aus Russland, holte Silber vor Ullrichs ehemaligem Team-Kollegen Bobby Julich aus den USA.
Ullrich, der trotz moralischer Unterstützung vom Straßenrand durch seinen kurzfristig angereisten Betreuer Rudy Pevenage wie im Straßenrennen scheiterte, war auf dem heißen Asphalt auf dem Küstenkurs in Vouliagmeni völlig von der Rolle. Genau wie Judith Arndt: Die ebenfalls mit großen Hoffnungen ins Rennen gegangene Silbermedaillen-Gewinnerin des Straßenrennens fand über die halb so lange Distanz ebenfalls nicht den richtigen Tritt und musste mit Rang elf zufrieden sein. Gold ging an die Titelverteidigerin Leontien van Moorsel (Niederlande), die in Sydney dreifache Olympiasiegerin geworden war.
Nach bisher wenig überzeugendem Saison-Verlauf, in dem nur der Gewinn der Tour de Suisse herausragte, sorgte Ullrich als Silbermedaillen-Gewinner von Sydney in dieser Disziplin für ein weiteres negatives Ausrufezeichen. Im Zeitfahren war der Toursieger von 1997 vor dem Start auf dem Papier scheinbar unschlagbar, zumal zwei Experten im Kampf gegen die Uhr fehlten: Der am Grünen Tisch entthronte Zeitfahr-Weltmeister David Millar (Schottland) wurde des Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt. Der sechsfache Toursieger Lance Armstrong, Gewinner der beiden Tour-Zeitfahren im Juli, zeigte Athen die kalte Schulter.
Aber alle Fachleute - inklusive Pevenage, der fest mit Ullrich-Gold gerechnet hatte - irrten sich. «Das hatte ich nicht erwartet und bin wie jeder enttäuscht. Wir werden uns jetzt zusammensetzen und die ganze Saison mal Revue passieren lassen», sagte der Belgier. «Die ersten Drei von heute haben sich in den letzten Wochen erholt. Man sieht: Es hat sich für sie gelohnt. Ich dagegen habe nach der Tour alle Rennen mitgemacht - im Nachhinein bin ich klüger», sagte Ullrich, der bei der WM im Oktober in Italien nach kurzer Pause «noch ein Mal angreifen will, um vielleicht eine Medaille zu holen».
Nach der ersten Zwischenzeit nach 12 km hinkte Ullrich, dessen Trinkbehälter auf dem Rücken unter dem Trikot befestigt war, um 14 Sekunden hinter der Bestzeit hinterher. Je länger die Distanz wurde, desto größer war sein Rückstand. Rich fand als erster eine Entschuldigung für den unerwarteten Untergang Ullrichs: «Man muss bei Ullrich auch bedenken, dass er sich im Gegegensatz zu vielen anderen Fahrern, die heute am Start waren, im Straßenrennen nicht geschont hat. Das steckte ihm noch in den Knochen». Der zweifache Vize-Weltmeister Rich war mit seiner Leistung halbwegs zufrieden: «Bei Olympia unter die ersten Fünf zu kommen, ist nicht schlecht, auch wenn ich natürlich eine Medaille wollte.»
Eine Nachricht aus Deutschland wird Ullrich am Mittwoch nur mäßig getröstet haben: Die 3. Zivilkammer des Landgerichts Duisburg sprach ihm in der juristischen Auseinandersetzung gegen seinen früheren Rennstall Coast das Recht zu, 1,4 Millionen Euro Gehaltsnachzahlungen und Schadenersatz zu fordern.
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