Profi-Radsport

BDR-Präsidentin fordert Rücktritte an Verbandsspitze

21.09.2004 - Berlin (dpa) - Die Querelen im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) verschärfen sich. Präsidentin Sylvia Schenk wirft Sportdirektor Burckhard Bremer vor, einen Verdacht auf EPO-Doping bei Olympia-Starter Christain Lademann vertuscht zu haben.

Die 52-jährige Frankfurter Juristin forderte daraufhin die Rücktritte Bremers und des zuständigen Bundestrainers Bernd Dittert. Das bestätigte Fritz Ramseier, der seit der vergangenen Woche den Leistungssport-Bereich von Schenk übernommen hat.

Bei einer Sitzung mit den 16 Landesvorsitzenden dürfte es zu einem offenen Machtkampf zwischen Schenk und der Opposition um Ramseier und Bremer kommen. «Wenn die Mehrheit meinen Argumenten folgt, werde ich nicht zurücktreten», hatte Schenk in der vorigen Woche erklärt. «Ich gehe davon aus, dass Bremer das Vertrauen ausgesprochen wird und sich die Mehrheit hinter uns stellt», sagte der 67-jährige Vize-Präsident Ramseier. In diesem Fall will sich Sylvia Schenk, für die im März 2005 Neuwahlen anstünden, zurückziehen.

Anlass für Schenks Attacken sind die Ergebnisse einer Routine-Blutuntersuchung bei Lademann, wie die «Frankfurter Allgemeine» berichtete. «Der BDR führt in regelmäßigen Abständen bei allen Kaderathleten Untersuchungen durch», sagte BDR-Mannschaftsarzt Olaf Schumacher im BDR-Fachorgan «Radsport». Dabei erfolge auch jeweils eine Blutentnahme. Im Juni seien bei einem Bahn-Verfolger ungewöhnliche Werte festgestellt worden. Diese hätten aber «jederzeit innerhalb des vom Weltverband UCI zur Blutdoping-Bekämpfung vorgesehenen Normbereichs» gelegen, sagte Schumacher. Einen Dopingverdacht habe man nicht gehabt.

BDR-Präsidentin Schenk sieht das anders. Sie hält ihrem Berliner Sportdirektor Bremer vor, dass er sie nicht über den Vorgang informiert habe. Der betreffende Fahrer aus Berlin hätte nicht nach Athen reisen dürfen, wo er mit dem Bahnvierer Platz vier erreichte. Dem «Radsport» sagte sie: «Wer im Juni Anlass zu der Vermutung gibt, dass EPO oder verwandte Substanzen eingenommen wurden, kann im August nicht an den Start gehen.»

Der Tour de France-Zweite Andreas Klöden vom T-Mobile-Team griff Sylvia Schenk heftig an. «Das ist schon Rufmord. Lademann war in keiner Kontrolle positiv, und dass die Werte bei Leistungssportlern schwanken, ist normal», sagte Klöden, der der Präsidentin «Ahnungslosigkeit» vorwarf.

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