Profi-Radsport

Neuer BDR-Präsident?

IOC-Bach: Scharping ist ein guter Kandidat

02.02.2005 - (sid) - Nach dem Rücktritt von Sylvia Schenk im September 2004 ist das Präsidentenamt des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) vakant. Nun hat der ehemalige Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping sein Interesse an dem Posten geäußert. Er stehe zur Verfügung, wenn er am 19. Februar die Unterstützung von Präsidium und Landesfürsten finde, sagte der 57-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (sid). Die Wahl findet am 19. März auf der BDR-Hauptversammlung in Saarbrücken statt.

IOC-Mitglied Thomas Bach begrüßte die Nachricht. "Scharping ist ein glaubwürdiger und guter Kandidat. Niemand kann ihm politische Profilierungssucht unterstellen, denn sein großes Engagement als Minister für den Sport ist in bester Erinnerung, sein Herz für den Radsport allgemein bekannt", sagte der Fecht-Olympiasieger dem sid: "Das sind beste Startvoraussetzungen, aus deutscher Sicht und auch für die internationale Ausstrahlung."

Scharping gilt als Insider

Scharping gilt in der Szene als Insider. "Ich denke schon, dass ich mich im Sport, besonders im Radsport auskenne", meinte er: "Ich war 17 Jahre selbst aktiv und dann lange Vorsitzender in meinem Heimatverein Lahnstein. Ich habe den Tourmalet und den Mont Ventoux bezwungen und so manches Mal mit Jan Ullrich oder Erik Zabel ein bisschen trainiert." Noch immer steigt er regelmäßig in den Sattel: "Leider aus Zeitnot nicht so oft wie ich gern möchte."

Der frühere SPD-Chef war Mitte 2002 aus dem Kabinett von Gerhard Schröder ausgeschieden, gehört aber weiter dem Bundestag an und hat außerdem eine Gastprofessur in Boston. Als Rad-Präsident werde er sich als Teil der Mannschaft sehen und deshalb sein Programm auch erst im BDR vorstellen: "Gerade im Radsport ist Teamwork gefragt." Zumal der Badische Landesverband am 19. Februar möglicherweise den Freiburger Hotelier Max Benz als Gegenkandidaten präsentiert.

Keine Stellungnahme zu internationalen Ambitionen

Auch zu internationalen Ambitionen wollte Scharping deshalb vorerst keine Stellung beziehen. Er habe allerdings schon mit Weltpräsident Hein Verbruggen über seine BDR-Kandidatur gesprochen: "Wir haben uns am letzten Wochenende bei der Cross-WM in St. Wendel getroffen. Aber mehr sagte ich dazu noch nicht." Vor allem aber habe er dort voller Freude Hanka Kupfernagel zum Titel gratuliert: "Man kann nicht oft genug betonen, dass auch der Radsport zum Glück aus mehr als Doping besteht."

Seit vielen Jahren hat Rudolf Scharping die großen Rundfahrten als echter Fan und Freund der Fahrer begleitet. Gerade deshalb will er als Fachmann noch keine Prognose über die Chancen Jan Ullrichs bei der Tour 2005 abgeben: "Bevor man sich festlegt, sollte man die Form der Pferde kennen. Ich möchte ihn erst einmal im Rennen beobachten, dann weiß ich mehr."