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03.05.2005 - (sid) - Für Mario Kummer kam der erste Vorschlag offenbar genauso überraschend wie für den Rest der Radsport-Welt. Während der Siegesfeier nach dem Klassiker "Rund um den Henninger Turm" ging Erik Zabel auf den sportlichen Leiter zu und schlug ihm seinen Start beim Giro d´Italia (7. bis 29. Mai) vor: "Am nächsten Morgen haben wir es dann fest gemacht", berichtete Kummer. Zum ersten Mal wird der T-Mobile-Mann in seinem 13. Profijahr die Italien-Rundfahrt bestreiten: "Man muss auch einmal neue Reize setzen", sagt der 34-Jährige und beweist einmal mehr, dass er im Kopf jung geblieben ist.
Die Überraschung war selbst im Bonner Rennstall groß, für den er seit 1993 fährt, aber an Zustimmung fehlt es nicht: "Erik hat uns noch nie enttäuscht", sagt der angehende Teamchef Olaf Ludwig. "Das wird auch beim Giro nicht anders sein."
Giro-Start ändert Tour-Nominierung nicht
Von Torschlusspanik eines "alten Mannes", der mit aller Macht seine Chance für die Tour de France wahren will, kann für Ludwig keine Rede sein: "Erik weiß genau, was er macht. Natürlich will er sich optimal auf die Tour vorbereiten, aber der Giro wird an seinen Chancen für die Nominierung nichts ändern. Niemand erwartet von ihm, dass er dort einen Alessandro Petacchi schlägt, aber er wird sich achtbar schlagen."
Italiens neuer Superstar ist derzeit das Maß aller Dinge. Zehn Flachetappen stehen auf dem Programm, im Vorjahr gewann Petacchi neunmal und stellte damit einen Rekord auf. Aber auch sonst ist die Weltelite der Sprinter von den Australiern Robbie McEwen und Stuart O´Grady bis - wahrscheinlich - Weltmeister Oscar Freire (Spanien) reichlich vertreten.
Zabel weiß also genau, was ihn erwartet. Aber sein Erfolg in Frankfurt hat ihm auch gezeigt, dass er wieder auf dem Weg nach oben ist: "Was ich jetzt brauche, sind Kräftemessen mit starken Gegnern", sagt er. "Denn das hat mir zu Anfang der Saison gefehlt." Durch den Fersenbruch im Winter hatte es ihm an Kraft gefehlt, die er sich auch auf den schweren Bergetappen beim Giro zurückholen will. "Erik fährt mit Sicherheit bis Mailand durch", sagt Ludwig.
Ludwig: "Double wäre für Zabel kein Problem"
Der Olympiasieger und Ex-Profi kennt Zabel wie kaum ein Zweiter, war er doch bei Telekom "Lehrmeister" des Jungprofis. "Das Double Giro-Tour wäre für Erik kein Problem. Er hat oft genug bewiesen, über welch große Substanz er verfügt. Im Juni bleibt genug Zeit zur Erholung."
Was kein Freibrief für das Tour-Team sein soll, wie Ludwig bekräftigt. Doch an seiner Wertschätzung für den Mann aus Unna ist nicht zu zweifeln: "Erik hat schon seit seinem vierten Platz bei der Flandern-Rundfahrt gezeigt, dass er noch immer in der Lage ist, wichtige Rennen zu gewinnen."
Giro-Start ein PR-Glücksfall
Zumindest aus PR-Sicht ist Zabels Italien-Debüt für T-Mobile ein Glücksfall. Wieder einmal stehen die Magenta-Farben dank des Last-Minute-Kapitäns im Rampenlicht, während die Rundfahrt-Stars Jan Ullrich oder Alexander Winokurow in aller Ruhe trainieren können und ein Andreas Klöden sein "Reha-Programm" absolvieren darf.
Die Vertragsverlängerung mit Zabel ist somit Ludwigs geringstes Problem: "Wenn Erik beim Giro ist, setze ich mich mit seiner Frau Cordula zusammen."
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