Profi-Radsport

Parade durch Austin

Jetzt geht Armstrong auf TV-Tour

25.07.2005 - (sid) - Von "Lance wer?" zu "Sankt Lance" hat sich das Bild vom siebenmaligen Toursieger Armstrong in den USA gewandelt. Wenn der 33-Jährige Anfang der nächsten Woche zurückkehrt, folgt der Parade durch seine Heimatstadt Austin die Tour durch alle großen TV-Shows des Landes. Seit Basketballer Michael Jordan hat laut jüngsten Umfragen kein Sportler mehr so hohe Sympathiewerte erreicht wie Armstrong, der 1996 an Krebs erkrankte.

Armstrong will seine Popularität nutzen, um die Werbetrommel für sein Lebenswerk noch intensiver zu schlagen. Über 50 Millionen gelber Armbänder ("Livestrong") für je einen Dollar wurden bisher verkauft. Auch Präsident George W. Bush, der sich sofort nach der Siegerehrung in Paris per Telefon gemeldet hatte, würdigte den texanischen Landsmann erneut als "unglaubliches Vorbild für alle Menschen in schwieriger Lage".

Übertragung um 6 Uhr morgens

Prominente aus allen Lagern stimmten nach dem "siebten Wunder" (Sports Illustrated) in die Hymnen ein, Basketball-Idol Shaq O´Neil: "Lance ist ein wahrer Champion, weil er sich gegen alle Voraussagen im Sport und im Leben durchgesetzt hat." Und Tennisstar Andre Agassi meinte: "Lance hat den menschlichen Geist beflügelt und das Leben von Millionen verändert."

In Austin hatten sich am Sonntag bereits morgens ab 6 Uhr zahlreiche Fans vor den Videoleinwänden auf mehreren Plätzen der Stadt versammelt, um die Übertragung der letzten Tour-Etappe live mitzuerleben. Der Kabelsender OLN verzeichnete einen Anstieg um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Schätzungen des Radverbandes hat sich die Zahl der Radler in den USA in den letzten sieben Jahren um mindestens 25 Prozent erhöht. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist allerdings mit 31.300 noch immer eher bescheiden.

Sogar einen eigenen Sportschuh

Trotzdem setzt der Branchenriese Nike auf einen Radfahrboom. Armstrong ist neben "Air Jordan" erst der zweite nicht mehr aktive Sportler, der seinen eigenen Sportschuh ("10/2") erhält. Das Unternehmen, das von Beginn an die Produktion der gelben Armbänder finanziert hatte, wird zudem sein Engagement für die Krebsstiftung verstärken. "Für viele ist er Sankt Lance geworden, ein Mann, der heilen kann", schrieb USA Today. "Deshalb werden die Massen künftig dort auftauchen, wo er ist, um ihn zu berühren."

Armstrong selbst will seine neue Freiheit zwischen Krebshilfe und seinen Kindern Luke (5), Isabelle und Grace (beide 4) aufteilen. "Meine Kids sind einem Alter, wo sie sich praktisch täglich verändern. Ich möchte mir die wichtigsten Momente ihres Lebens nicht entgehen lassen", sagte er, bevor er mit seinem Nachwuchs und Freundin Sheryl Crow zum Kurzurlaub in die Nähe von Nizza aufbrach. "Privat hoffe ich, dass diese Woche ein Vorgeschmack auf die nächsten 50 Jahre wird", meinte Armstrong.

Aufs Rad will der 33-Jährige nur noch bei Wohtätigkeitsrennen steigen, oder ab und an beim Mountainbiken in Austin. Ob dem Abschied vom Sport eine politische Karriere folgt, wird zumindest im Spielerparadies Las Vegas bezweifelt. Die Quote, dass sich Armstrong als einer der Nachfolger von George W. Bush um den Gouverneursposten von Texas bewirbt, liegt derzeit bei 350:1.

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