Profi-Radsport

"Injektionen von angereichertem Eigenblut"

Ex-US-Postal-Arzt: EPO-Doping gängige Praxis

06.10.2005 - (sid) - Erneut werden Dopingvorwürfe rund um den Radsport laut. Jetzt hat der ehemalige Arzt des früheren Armstrong-Teams US-Postal, Prentice Steffen, schwere Anschuldigungen erhoben. Der Mediziner, der 1996 beim US-Rennstall tätig war, erklärte in der französischen Sportzeitung L'Equipe, es sei bei einigen Teams gängige Praxis, sich vor Wettkämpfen mit Epo angereichertes Eigenblut injizieren zu lassen. Dieses sei zuvor in Trainingslagern entnommen und konserviert worden, um bei möglichen Kontrollen die erlaubte Obergrenze des Hämatokritwertes nicht zu überschreiten.

"Vor dem Start der letzten Tour de France haben Fahrer aus bestimmten Teams in ihren Trainingslagern Epo genommen, um ihre Hämatokritwerte klettern zu lassen. Dann nimmt ihnen ein Arzt Blut ab, konserviert dies in speziellen Verpackungen. Die Blutparameter der Fahrer sinken derweil wieder auf die normalen Werte", sagte Steffen, der bei US Postal bereits entlassen war, als Lance Armstrong 1997 zum Team wechselte.

Kurz vor dem Start zu entscheidenden Etappen würde das Eigenblut dann wieder injiziert: "Nach dem Rennen wird das Blut wieder verdünnt, sodass sie kein Risiko haben beim Schlafen und vor allem auch keines bei Kontrollen am nächsten Morgen."

Weitere Ermittlungen im "Fall Armstrong"

Derweil gab der Weltverband UCI am Donnerstag bekannt, dass man im "Fall Armstrong" weitere Untersuchungen einleiten werde. Der niederländische Anwalt und Doping-Spezialist Emile Vrijman wurde beauftragt, die Vorwürfe gegen den inzwischen zurückgetretenen siebenmaligen Tour-de-France-Sieger zu untersuchen. L'Equipe hatte Mitte August enthüllt, dass eingefrorene Urinproben des Texaners von 1999 bei Tests im vergangenen Jahr Epo-Spuren aufgewiesen hätten.