Profi-Radsport

Ex-Festina-Chef stellt Radsport unter generellen Doping-Verdacht

26.11.2000 - Berlin (dpa) - Bruno Roussel, ehemaliger Sportlicher Leiter der französischen Festina-Mannschaft, stellt den Radsport wieder unter generellen Doping-Verdacht. «Nein sagen zu Doping, und in der Szene bleiben, ist nicht möglich», sagte der ehemalige Chef des einstigen französischen Idols Richard Virenque in einem Interview mit der Fachzeitung «Tour».

Während des am 7. November in Lille zu Ende gegangenen Festina-Prozesses hatte Roussel, der die Verantwortung für systematisches Doping in seinem Rennstall 1998 übernommen hatte, gesagt, Doping gehöre zur «Kultur des Radsports».

Die Veränderung zu saubererem Sport hätte er nur in zwei Ländern registriert. «In Frankreich, vielleicht auch in Italien, hat sich etwas verändert. Nicht etwa aus Überzeugung, sondern aus Angst vor der Polizei. Außerdem gibt es in Frankreich den politischen Willen, gegen Doping zu Felde zu ziehen. Ich glaube, heute dopt man sich ganz legal, zum Beispiel mit Kortikoiden auf Rezept», sagte Roussel in dem Zeitungs-Interview weiter.

Auf den Franzosen und weitere neun Angeklagte warten bei der Urteilsverkündung am 22. Dezember wahrscheinlich Bewährungs- und Geldstrafen. Der in Lille geständige viermalige Gewinner des Bergpreises bei der Tour de France, Virenque, kann mit Freispruch rechnen. Roussel: «Ich habe Verantwortung übernommen und deshalb rechne ich mit Bestrafung.»

Laut Roussel hätte er nach dem Prozess viele Briefe von Fahrern und Ex-Kollegen erhalten, die erklärten: «Du weißt, wir sind alle in der gleichen Situation, aber Du musst verstehen, dass wir uns nicht äußern können.» Laut Roussel seien sie «Gefangene des Systems».

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