Profi-Radsport

Statt Karrierende

Zabel greift in Stuttgart wieder an

25.09.2006 - (sid) - Für viel Gesprächsstoff haben Erik Zabels Worte vom möglichen Karriereende bei einem gewonnenen WM-Titel gesorgt. Nach dem Sprint zur Silbermedaille im Straßenrennen in Salzburg waren die Rücktrittsgedanken des siegreichsten deutschen Radprofis, von denen nur die Familie gewusst hatte, aber vorerst hinfällig.

"Ich hatte meinem Sohn versprochen, nach einem WM-Sieg nur noch für ihn da zu sein - jetzt muss er noch ein bisschen auf mich warten", sagte der 36-Jährige aus Unna nach seinem zweiten Platz hinter dem neuen Weltmeister Paolo Bettini. Der Olympiasieger aus Italien hatte Zabel auf den letzten Metern übersprintet - was ihm hinterher fast Leid tat: "Erik ist ein guter Freund und eine große Persönlichkeit des Radsports. Es ehrt mich, mit ihm gemeinsam auf dem Podium zu stehen", sagte der 32-Jährige, bevor er seinen "Kumpel Ete" herzlich in die Arme schloss.

"Für Olympia-Team 2008 gesetzt"

Auch andere hätten Zabel den krönenden Abschluss nach 14 Jahren als Profi gegönnt. "Ich hätte mich unheimlich für ihn gefreut", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping, sah die Sache aber auch gleich mit einem lachenden Auge: "Er ist auf jeden Fall für unser Olympia-Team 2008 gesetzt", legte sich der Verbands-Chef zwei Jahre vor Peking fest.

Bis dahin will Zabel nun auf jeden Fall noch fahren und damit auch den bis 2008 laufenden Vertrag bei Milram erfüllen. "Radsport ist meine große Leidenschaft. Der kann ich jetzt noch zwei Jahre folgen. Das ist auch schön." Nach 13 Jahren bei Telekom und T-Mobile habe er das erste Jahr in der neuen deutsch-italienischen Mannschaft sehr genossen. "Milram ist ein tolles Team mit vielen jungen deutschen Fahrern und netten italienischen Kollegen", schwärmte der gebürtige Berliner.

Kein Erfolgsdruck mehr für Zabel

Sein bisweilen übersteigerter Ehrgeiz früherer Jahre ist längst einer spürbaren Gelassenheit gewichen. "Salzburg war meine achte WM, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es schon einmal so viel Spaß gemacht hat", meinte er. Auch in Zukunft will sich der zwölfmalige Tour-Etappensieger und sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots keinem großen Erfolgsdruck mehr aussetzen: "Ich werde nicht mehr nur am Gewinnen und Verlieren gemessen." Er habe gelernt, es zu nehmen wie es kommt: "Man muss die Größe haben, es so zu akzeptieren."

Doch ganz ohne Ambitionen kommt ein Erik Zabel auch nicht aus. Nach dem Rennen von Salzburg gingen seine Gedanken schon einmal kurz in Richtung WM 2007 in Stuttgart. "Da ist die Strecke noch etwas schwerer als diesmal. Ich könnte mir vorstellen, dass ein WM-Start nächsten Jahr für mich Sinn macht..." Vielleicht geht eine große Karriere dann doch ein Jahr früher als geplant zu Ende.

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