Profi-Radsport

Blutdopingskandal

Verdächtigte Fahrer sollen unter Eid aussagen

26.11.2006 - (sid) - Allen juristischen Hindernissen zum Trotz sind die nationalen Untersuchungsbehörden im spanischen Dopingskandal offensichtlich nicht gewillt, die in Verdacht geratenen Radprofis ungeschoren davonkommen zu lassen. Entsprechend äußerte sich Richter Antonio Serrano gegenüber der Internetredaktion der spanischen Sportzeitung AS.

Verfahren wegen Meineids drohen

Obwohl Doping juristisch gesehen in Spanien nicht strafbar ist, drohen dem Kreis der Verdächtigten, zu dem auch Deutschlands früherer Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich gehören soll, Verfahren wegen Meineids. Laut AS-Informationen will Serrano "einige oder alle" 58 in Frage kommenden Profis als Zeugen vorladen.

Die Fahrer sollen unter Eid zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Sollten sich bei anschließenden Untersuchungen die Behauptungen als Falschaussagen herausstellen, sieht Serrano juristischen Handlungsbedarf für gegeben.

Dass die Dopingfahnder im Rahmen der "Operacion Puerta" weiter vorankommen, scheinen neue Erkenntnisse zu belegen. Nach Informationen der Tageszeitung El Mundo wurden inzwischen acht Dopingkonserven mit erhöhten Werten des Blutdopingsmittels EPO kodiert. Zwei mit dem Namen "Sevillian" versehene Blutbeutel sollen auf den früheren T-Mobile-Profi Oscar Sevilla hinweisen.

Kommentieren wollte T-Mobile-Pressesprecher Christian Frommert dazu auf der Internetseite des Bonner Rennstalls nicht allzuviel: "Wir verfolgen eine klare Linie. Wir haben uns entschieden, Sevilla zu suspendieren, und danach haben wir den Vertrag aufgelöst. Es wäre nicht überraschend, wenn es wahr wäre, aber wir wissen es nicht. Wir haben unsere Entscheidung sehr früh auf einer Vertrauensgrundlage gefällt. In die Worte einiger Fahrer hatten wir kein Vertrauen. Nun ist es Aufgabe der Guardia Civil, Beweise zu finden und in dem Fall zu ermitteln."

Bestechungsversuch um Manzanos Stillschweigen zu erkaufen

Für neuen Zündstoff sorgte einmal mehr Ex-Profi Jesus Manzano, der in der Zeitung El Pais Ex-Rennstallchef Manolo Saiz belastet. Der frühere Sportdirektor von Jörg Jaksches Liberty-Seguros-Team, neben dem Madrider Eufemiano Fuentes im Fokus der Ermittler, soll bei Manzano einen Bestechungsversuch gemacht haben. Um Manzanos Stillschweigen zu erkaufen, soll Saiz über seinen Anwalt Carlos Bueren umgerechnet zwischen 150.000 bis 180.000 Euro als Bestechungssumme geboten haben.

Mit Manzanos Vorwurf gleitet die Affäre eine weiteren Schritt in den Strafgerichtsbereich ab. Den Dopingfahndern der Sportbehörden sind deshalb vorerst die Hände gebunden. Ein Grund dafür, dass sich auch Ullrich Hoffnungen auf einen zumindest einstweilligen Freispruch wie im Fall von Italiener Giro-Sieger Ivan Basso durch seinen nationalen und den Weltverband UCI macht.