Doping-Sünder Virenque will zur Tour

01.01.2001  | 

Berlin/Genf (dpa) - Doping-Sünder Richard Virenque stemmt sich gegen die Neun-Monats-Sperre und kämpft für seine zehnte Tour-Teilnahme. «Meine einzige Chance ist ein Einspruch», ließ der 31-jährige Radprofi mit Wohnsitz Genf nach der Urteilsverkündung durch ein fünfköpfiges Gremium des Schweizer Radsport-Verbandes wissen. Dem fünffachen «Bergkönig» der Tour de France stehen bis zum 19. Januar 2001 zwei Gnadenwege offen - für einen muss er sich entscheiden.

Virenque, der vor Weihnachten von einem Zivil-Gericht in Lille vom Vorwurf des Doping-Handels freigesprochen worden war, kann den internationalen Radsport-Verbandes UCI anrufen, der ihm 1999 schon ein Mal den Weg zur Tour freimachte. Der Dachverband könnte die Sperre bei maximalem Entgegenkommen halbieren. Außerdem kann der in Casablanca geborene Franzose, der jahrelangen Doping-Konsum gestanden hatte, beim Internationalen Sport-Schiedsgericht in Lausanne (CAS) Einspruch einlegen.

Die Sperre soll nach den neuen UCI-Regeln ab 1. Februar 2001 gelten, so dass Virenque erst am 1. November - nach Ablauf der kommenden Saison - wieder fahren dürfte. Der umstrittene Fachmann für Kletterpartien machte eine spezielle Rechnung auf und forderte Gleichbehandlung mit seinen geständigen, ehemaligen Festina-Kollegen. Alex Zülle, Laurent Dufaux und Armin Meier waren de facto sieben Monate gesperrt worden und durften ab 1. Mai 1999 wieder Rennen bestreiten.

«Sie haben damals drei Monate bekommen, ich drei Mal so viel. Das ist wie eine Enthauptung», sagte Virenque, der darauf anspielte, dass die Sperren vor zwei Jahren früher in Kraft traten. «Meine Anwälte beraten über Wege der Berufung. Die Funktionäre wollen, dass ich meine Karriere beende», erklärte ein tief getroffener Virenque im französischen Fernsehen.

«Richard ist stark im Kopf, er kämpft, ich werde eine Mannschaft für ihn finden», wollte ihm sein Berater, Ex-Profi Eric Boyer, Mut machen. Virenque, der erst nach 27-monatigem Leugnen in Lille zugegeben hatte, Teil des Doping-Systems im Festina-Team gewesen zu sein, ist nach dem Rückzug seines bisherigen Teams Polti (Italien) auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Angeblich soll Cofidis aus Frankreich Interesse gezeigt haben.

«Unser Team ist mit 23 Fahrern komplett, wir brauchen ihn nicht», hatte Wolfram Lindner erklärt. Der ehemalige DDR-Coach ist bei Coast sportlicher Leiter des neben Telekom zweiten deutschen GS-I-Teams und hatte auch Virenques ehemaligen Schweizer Kollegen Zülle verpflichtet. «Ich weiß nicht, ob Virenque eine Chance hat, begnadigt zu werden. Aber als sportlicher Konkurrent bei der Tour ist er ohnehin nicht mehr auf unserer Rechnung», sagte am Sonntag Telekom- Teamchef Rudy Pevenage, der das Trainingslager auf Mallorca (mit Jan Ullrich und Erik Zabel) ab 7. Januar leitet.

Die Schweizer Funktionäre unter dem Vorsitz des Juristen Bernhard Welten werteten Virenques langes Leugnen als strafverschärfend. Daniel Baal, scheidender Präsident des französischen Radsportverbandes und UCI-Vize, bezeichnete das Urteil als «logisch». Die Kommission hätte eine Spannweite von Sperren zwischen sechs und 12 Monaten gehabt.

Die Societe du Tour de France, die Virenque 1999 vom Tourstart als «unerwünschte Person» ausschließen wollte, auf Intervention der UCI seine Teilnahme aber doch zulassen musste, reagierte am Wochenende auf den Urteilsspruch aus der Schweiz lakonisch: «Wir kommentieren diese Entscheidung nicht.» Der «L`Equipe» war der Liebling der französischen Radsport-Fans die Titelseite wert: «Höchststrafe für Virenque».

Die französische Regionalzeitung «L`Est Republicain» schrieb: «Virenque wurde gesperrt, weil er illegale Pharma-Produkte benutzt hat und ein verrücktes Rennen nach den düstersten und perversesten Regeln des Sports gefahren ist. Trauriges Los für diesen Menschen, der sein Versteckspiel mit dem Doping verloren hat. Das einzige Problem dabei ist, dass er als einziger für Praktiken einen hohen Preis zahlt, die er nicht als einziger genutzt hat.»

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Vuelta kolbi a Costa Rica (2.2, CRC)

Newsletter:

DATENSCHUTZ    |    KONTAKT    |    IMPRESSUM