Unbeschwerter Ullrich startet zufrieden ins neue Jahr

10.01.2001  | 

Palma de Mallorca (dpa) - Der Weg bis zum zweiten Tour-Sieg ist noch steinig. Jan Ullrich fährt sich gerade warm und befindet sich erst am Anfang der zweiten Etappe seines Vorbereitungsprogramms. Seit dem Beginn des Trainings Anfang Dezember in Südafrika liegen rund 3 000 Kilometer hinter dem 27-jährigen, der bei frühlingshaften Temperaturen auf Mallorca jetzt im Training «die Umfänge und die Intensität» steigern will.

Der gefürchtete Teufelskreis aus Krankheiten, Trainingsausfällen und rapider Gewichtszunahme ist zurzeit nur böse Erinnerung aus den Vorjahren. «Ich fühle mich gut, es läuft optimal. Ich halte hier problemlos mit den Kollegen mit, die im Frühjahr schon richtig Power haben müssen», freute sich ein unbeschwerter Ullrich.

Die nächsten Stationen des Toursiegers von 1997 - «bis zum 28. Januar Mallorca, anschließend noch ein Mal zweieinhalb Wochen Südafrika» - lesen sich wie angenehmstes Touristenprogramm. Das täuscht jedoch, denn für Ullrich beginnt «die schlimmste Zeit im Jahr» unter dem Motto: «Stupide die Zeit absitzen und Kilometer schrubben». Der erste Wettkampf wurde auf Ende Februar (Valencia- Rundfahrt in Spanien) etwas vorverlegt. Danach folgt bei der Murcia- Rundfahrt das erste Gipfeltreffen mit den Toursiegern Marco Pantani und Lance Armstrong. «Aber da kann sicher keiner von uns auf Sieg fahren», prophezeit der Olympiasieger.

Der Telekom-Kapitän lässt sich bei der «ganzen Strampelei» Zeit. Ende April, Anfang Mai will er «zum ersten Mal gute Form» haben. Die Top-Verfassung zum Saisonhöhepunkt mit dem Tourstart am 7. Juli zu erreichen, gleicht im Schwierigkeitsgrad einem Drahtseilakt, der nicht immer gelingt. Ullrich: «Zum Tourbeginn muss ich 95 Prozent meiner Leistungsfähigkeit erreicht haben. Anders als im Vorjahr sind diesmal die 14 ersten Tage die wichtigsten».

Im Rückblick attestierte sich der Zeitfahr-Weltmeister von 1999 die persönliche Top-Form 2000 «in den ersten zwei Wochen nach der Tour.» Bei seinem Goldmedaillen-Gewinn in Sydney sei er schon wieder auf dem absteigenden Ast gewesen. Armstrong sei beim Form-Poker im Vorjahr zu früh auf vollen Touren gelaufen. Zum Sieg in Paris hatte es für den Texaner, der in Kevin Livingston seinen besten Helfer an Ullrich verlor, dennoch gereicht. Mit wichtigen Informationen konnte der «Überläufer» noch nicht dienen. Ullrich: «Ich habe Kevin über Lance noch nicht ausgefragt».

«Wenn Jan die Tour gewinnt, kann er in Urlaub gehen», versprach Telekom-Teamchef Rudy Pevenage in Palma. Das hat sein Musterschüler, der in seinem Heimatort Merdingen gerade ins neu erbaute Haus zog, aber nicht unbedingt vor. «Wenn man die Tour gewinnt, hast du die Form deines Lebens, und die muss ausgenutzt werden - solange es geht.»

Die spannende Frage, ob Ullrich in diesem Jahr sein Debüt beim Giro d`Italia gibt, oder sich wie in den beiden vorangegangenen Jahren wieder der heimischen Deutschland-Tour besonders verpflichtet fühlt, wurde auch im Trainingslager von Mallorca noch nicht beantwortet. «Ich will mich noch nicht festlegen, das wird relativ kurzfristig entschieden. Wenn ich richtig gut drauf bin, fahre ich die Deutschland-Tour, wenn ich für die Vorbereitung zur Tour de France noch harte Kilometer brauche, starte ich beim Giro», sagte Ullrich.

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