Profi-Radsport

Staatsanwalt weist Vorwürfe zurück

Fall Ullrich: Keine Anhaltspunkte für Manipulation

04.04.2007 - Berlin (dpa/Ra) - Im Fall Jan Ullrich hat die Bonner Staatsanwaltschaft Manipulations-Vorwürfe der Anwälte des Ex-Radprofis zurückgewiesen.Die Rechtsvertreter des am 26. Februar zurückgetretenen ehemaligen T-Mobile-Kapitäns hatten von Manipulation gesprochen, nachdem die Anklagebehörde den positiven Abgleich von neun Blutbeuteln aus der Madrider Klinik des mutmaßlichen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes mit der Ullrich-DNA bestätigt hatte. «Es gibt keine Anhaltspunkte für Manipulation», sagte der ermittelnde Staatsanwalt Friedrich Apostel. Der Vorwurf stünde im Raum und es sei bisher nicht präzisiert worden, ob Manipulationen in Spanien oder beim Abgleich vorgekommen sein sollen.

«Wir warten jetzt erst einma auf eine Reaktion der Ullrich-Anwälte und auf die Ergebnisse der Rechtshilfe-Anfragen an die Schweizer und Belgischen Behörden, gegen die die Anwälte ebenfalls Rechtsmittel eingelegt haben», sagte Apostel. Der Staatsanwalt wollte sich nicht auf einen Termin einer möglichen Anklage gegen den ehemaligen Kapitän des T-Mobile-Teams festlegen. Er habe «die große Hoffnung», das Verfahren vor Ende des Jahres abzuschließen. Aber es gebe vergleichbare Fälle, die dauerten zwei Jahre.

Ob ein mögliches Geständnis von Ullrich einen jetzt wahrscheinlicher gewordenen Strafprozess verhindern könnte, wollte der Staatsanwalt nicht sagen: «Das würden wir mit den Anwälten regeln.» Es hätten vor dem Bekanntwerden der Identität der Blutbeutel mit den Code-Namen «Jan», «Nummer 1» und «Rudis Sohn» Gespräche mit den Ullrich-Vertretern «zur Erledigung des Verfahrens» gegeben. Ob es dabei auch konkrete Angebote gab, gegen Zahlung einer Summe die Ermittlungen einzustellen, bestätigte Apostel nicht.

Nach den neuesten Erkenntnissen zum Fall Ullrich liegt der Verdacht nahe, dass die von den spanischen Behörden anderen verdächtigten Fahrern zugerechneten Codenamen ebenfalls stimmen. Das könnte unter anderen auch Girosieger Ivan Basso und den Ansbacher Jörg Jaksche betreffen. Insgesamt werden über 50 Radprofis verdächtigt, mit dem umstrittenen Mediziner illegal zusammengearbeitet zu haben.