Profi-Radsport

Auf Wunsch des Italieners

Basso und Discovery Channel lösen Vertrag auf

30.04.2007 - (Ra/sid) - Ivan Basso und sein Arbeitgeber Discovery Channel haben sich getrennt. Der Italiener hat seinen Teamchef Johan Bruyneel und Teammanager Bill Stapleton am Sonntag um eine Vertragsauflösung gebeten. Discovery Channel folgte Bassos Wunsch. Laut Basso fiel sein Entschluss ,,aus persönlichen Gründen".

,,Das war eine schwere Entscheidung für mich und meine Familie. Ich denke aber, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe", ließ Basso über eine Pressemeldung seines Arbeitgebers verlauten. ,,Alle bei Discovery Channel haben an mich geglaubt und mir Vertrauen gegeben. Das möchte ich jetzt zurückgeben. Ich möchte betonen, dass ich diese Entscheidung alleine getroffen habe. Ich wünsche meinem Team für die Zukunft alles Gute", so Basso weiter.

,,Das Team versucht einen neuen Sponsor zu finden und Radrennen zu gewinnen. Beidem ist meine momentane Situation nicht förderlich", so Basso.

Discovery Teamchef Bruyneel reagierte geschockt: ,,Ivans Bitte kam absolut überraschend. Er war sehr emotional, hat aber zugleich fest auf die Vertragsauflösung bestanden. Wir haben lange mit ihm gesprochen, sind dann aber schließlich seinem Wunsch nachgekommen."

Basso hat mit dieser Entscheidung auf die Ereignisse der letzten Tage reagiert: Die italienischen Sportverbände eröffneten wieder das Disziplinarverfahren gegen Ivan Basso, da im Zuge der Operation Puerto neues Beweismaterial aufgetaucht sein soll. Der Rundfahrer wurde daraufhin von seinem neuen Team Discovery suspendiert. Am Mittwoch muss er zu einer Anhörung bei Ettore Torre, dem Anti-Doping-Staatsanwalt des Nationalen Olympischen Komitee von Italien (CONI), der die Ermittlungen gegen den Tour-Zweiten von 2005 wieder aufgenommen hat. Dieser will Basso zur DNA-Abgabe auffordern, um diese mit dem Inhalt der in Madrid gefundenen und ihm zugeordneten Blutbeutel zu vergleichen.

Auf diese Weise war Jan Ullrich bereits als erster von 58 mutmaßlichen Kunden des spanischen Dopingarztes Fuentes überführt worden. Dabei soll die Zahl der verdächtigten Radprofis laut eines Berichts der italienischen Sport-Tageszeitung "Gazzetta dello Sport" um 49 Namen auf nunmehr 107 Personen gestiegen sein. Dies gehe aus den von den Justizbehörden gesammelten Dokumenten im Umfang von rund 6000 Seiten hervor. Unter den neuen Beschuldigten sollen sich weitere prominente Fahrer aus verschiedenen Ländern befinden. Namen nannte die Zeitung nicht.

Für Basso ist mit der Vertragsauflösung der Traum vom erneuten Gewinn des Giro d'Italia auf jeden Fall beendet. Der Italiener wird bis zum Start am 12. Mai kaum einen Rennstall finden, wobei mit einer Einstellung der Ermittlungen ohnehin nicht zu rechnen ist. Im Gegensatz zum Herbst vergangenen Jahres scheinen die italienischen Anti-Doping-Ermittler, diesmal gewillt zu sein, die Sache restlos aufzuklären.

Bei Discovery sollte Basso als Nachfolger seines Freundes und siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong an die glanzvollen Zeiten anknüpfen. Entgegen großer Kritik von Organisatoren und Teams hatte Discovery den 29-Jährigen, der zuvor bei CSC suspendiert worden war, unter Vertrag genommen. In wieweit dieser fragwürdige Schritt dabei Hauptsponsor Discovery bewogen hat, sein Engagement zum Jahresende zu beenden, ist nicht bekannt.

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