Profi-Radsport

Jaksche sauer auf Scharping

DM: Doping ist das beherrschende Thema

29.06.2007 - Wiesbaden (dpa) - Die Doping-Verdächtigen Matthias Kessler und Jörg Jaksche, der am 2. Juli im «Spiegel» auspacken will, sind von den deutschen Straßen-Meisterschaften in Wiesbaden ausgeschlossen worden.

Organisator und Verbands-Vize Udo Sprenger wehrt sich juristisch gegen harte Anschuldigungen und der zweifache Titelträger Erik Zabel hat die Autorität vergangener Tage verloren. Die deutschen Straßen-Meisterschaften sind sportlich nur noch mäßig interessant - Doping überschattet alles. Daran wird sich auch vom 7. Juli an beim Saisonhöhepunkt Tour de France nichts ändern.

Jaksche, Nummer 48 in der vorläufigen Starterliste von Wiesbaden, wollte tatsächlich antreten, obwohl er von seinem Team Tinkoff seit Mai suspendiert ist und sich nach seinem bevorstehenden «Spiegel»-Geständnis aus der Szene vorerst verabschieden wird. «Das ist ein rundum schöner Artikel geworden. Jaksche wird sich auch der WADA, dem Weltverband UCI und gegebenenfalls der Justiz als Kronzeuge zur Verfügung stellen», bestätigte Jaksche-Anwalt Michael Lehner gegenüber der Deutschen Presse Agentur dpa.

Der 30-jährige Arzt-Sohn aus Ansbach, dem der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) einen Start in Wiesbaden wegen Verwicklung in die Doping-Affäre Fuentes untersagte, hat ausgepackt. Jaksche soll in einem Hamburger Hotel weit über zehn Stunden im Doping-«Beichtstuhl» gesessen haben. Es heißt, Anwälte arbeiten auf Hochtouren an der Druckfassung. Der Profi vermied seinen Standardsatz («Ich habe nichts zu beichten») und war stattdessen stocksauer auf Verbands-Präsident Rudolf Scharping, der in der eigenen «Firma» alle Hände voll zu tun hat.

«Scharping hat mir das Startverbot telefonisch mitgeteilt unter Verweis auf die spanischen Justizakten, die er gar nicht einsehen darf. Ein Minister a.D., der wegen Affären seinen Hut nehmen musste und danach als BDR-Präsident anheuert, ist für mich keine moralische Instanz», sagte Jaksche der dpa und wunderte sich, warum das Startverbot so kurzfristig ausgesprochen wurde: «Die dachten vielleicht, wenn der Jaksche nicht da ist, ist das Problem auch weg.» Seine Verwicklung in die Doping-Affäre Fuentes ist seit elf Monaten bekannt. Offensichtlich hatte der BDR auch Angst, dass Jaksche seinen Start einklagen könnte.

Durch die Aussagen des in Kitzbühel lebenden Franken könnten womöglich einige seiner früheren und aktuellen Team-Kollegen eine knappe Woche vor dem Tourstart in London mächtig in die Bredouille geraten und vielleicht um die Teilnahme am Saisonhöhepunkt bangen. Jaksche kennt sich aus und war Angestellter in den Profiteams Polti/Italien (aufgelöst), Once/Spanien (aufgelöst), Telekom (jetzt T-Mobile), CSC/Dänemark, Liberty Seguros (von Astana übernommen) und Tinkoff. Allerdings hat es Jaksche wohl weniger direkt auf Berufs-Kollegen als vielmehr auf höhere Chargen der Teamleitung und Ärzteschaft abgesehen, heißt es.

Der russische Brauerei-Multi Oleg Tinkoff hatte Jaksche und den Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton (USA), der gerade eine zweijährige Doping-Sperre abgesessen hatte, vor dem Giro suspendiert. Trotzdem startete Jaksche bei kleineren Rennen danach im Team-Trikot, weil eine vorzeitige Entlassung aus seinem Vertrag rechtlich zur Zeit schwierig wäre, wie sein Team-Besitzer erklärte.

Nur noch am Rande dürfte in Wiesbaden registriert werden, wer den alten Zweikampf der deutschen Top-Teams Gerolsteiner und T-Mobile für sich entscheiden wird. Auf den anspruchsvollen 199,3 Kilometern durch den Taunus wird allenthalben ein Duell zwischen den für die Bonner in die Pedale tretenden Linus Gerdemann (Münster) und Patrik Sinkewitz (Fulda) sowie auf der anderen Seite Stefan Schumacher (Nürtingen) und Fabian Wegmann (Freiburg) erwartet.

Als sicher gilt, dass das Trikot mit den drei Brustringen telegen bei der Tour präsentiert werden wird. Anders als im Vorjahr, als der krasse Außenseiter Dirk Müller vom Drittligisten Team Sparkasse in Klingenthal auf fast wundersame Weise Meister wurde und im Finale die arrivierten Jens Voigt und Kessler fast wie Nachwuchsfahrer stehen ließ.

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