Hintergrund

Doping-Substanzen und ihre Nebenwirkungen

06.07.2007  |  Köln (dpa) - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) definiert Doping als die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwendung von Substanzen aus verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden entsprechend der aktuellen Dopingliste.

Tests sollen den Missbrauch verhindern. Deshalb werden immer neue Substanzen ausgetüftelt, die - zumindest für einige Zeit - nicht nachgewiesen werden können. Die meisten aber gehören lange bekannten Wirkstoff-Klassen an:

STIMULANZIEN: Stimulanzien wie zum Beispiel Methamphetamine und Amphetamine - dazu zählt auch Captagon - würden im Sport schon seit den 50er Jahren verwendet, erklärt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Die während des Zweiten Weltkriegs entwickelten Aufputschmittel erhöhten die Herzfrequenz, schärften die Sinne und pumpten Blut in die Muskeln - ähnlich wie das körpereigene «Dopingmittel» Adrenalin in einer gefährlichen Situation.

Anders als Adrenalin werden diese Substanzen aber im Körper nur langsam abgebaut. «Man hat das Gefühl, es geht noch - obwohl der Körper schon total erschöpft ist.» Vor allem in den ersten Jahren der Verwendung habe es deshalb immer wieder Sportler gegeben, die aus unbemerkter Überanstrengung einfach tot umgefallen seien. «Amphetamine haben nachweislich für die meisten Doping-Toten gesorgt.» Im Spitzensport würden die Substanzen mittlerweile seltener eingesetzt, weil sie leicht nachweisbar seien, sagt Diel. Bedenklich sei aber die zunehmende Verwendung im Breitensport.

NARKOTIKA: Betäubungsmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Es bestehe die Gefahr, von den Substanzen abhängig zu werden, sagt Diel. Zudem gebe es etliche weitere Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne mal Alkohol trinken. «Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung.» Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine «Wettkampf-Droge», die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sie die Gefahr der Entdeckung.

ANABOLIKA: Anabolika sind Diel zufolge das meistverwendete Doping- Mittel überhaupt. «Das sind, waren und werden die wichtigsten Substanzen beim Doping sein.» Eigentlich seien die Substanzen dafür entwickelt worden, bei bestimmen Krankheiten den Muskelaufbau zu unterstützen. Beim Doping würden die Mittel teils 100 bis 500 Mal höher dosiert. In den 80er Jahren hätten sich viele Sportler mit anabolen Steroiden - Abkömmlingen des männlichen Hormons Testosteron - gedopt, um mehr Muskelmasse aufzubauen oder nach körperlicher Verausgabung schneller zu regenerieren. Damals seien die so genannten «ewigen Weltrekorde» entstanden, die von nicht gedopten Sportlern nicht zu erreichen seien.

Die Einnahme der Substanzen habe vor allem bei Frauen verheerende Auswirkungen, Bartwuchs, Unfruchtbarkeit, Vermännlichung und Veränderungen der Psyche zum Beispiel. «Frauen dürften noch nicht mal nippen an einem anabolen Steroid, das verändert sie total.» Aber auch bei Männern sei die «Liste der Grausamkeiten» lang: Akne, Herz- und Kreislauferkrankungen, Leberschäden, Unfruchtbarkeit und ein höheres Krebsrisiko zählen Diel zufolge dazu. Bei Jugendlichen werde das Wachstum gestoppt, zudem gebe es psychische Veränderungen wie eine höhere Aggressivität.

Bedenklich seien besonders neue Mittel wie THG oder Madol, die extra für das Doping entwickelt wurden. Die Substanzen seien trotz ihrer extrem starken Nebenwirkungen genommen worden, weil es zunächst keine Tests für den Nachweis gab. Aktuell werde von Pharmafirmen eine ganz neue Klasse von Anabolika namens SARMs entwickelt. Sie sollen bei Diabetikern und Patienten mit altersbedingtem Muskelschwund die Muskelmasse steigern und dabei weniger Nebenwirkungen haben. Da die Struktur der Substanzen meist geheim gehalten werde, gebe es auch noch keine Tests.

PEPTID-HORMONE UND ANALOG WIRKENDE SUBSTANZEN: «Peptid-Hormone sind das heißeste Thema derzeit», betont Diel. Derartige Substanzen sind wichtige Medikamente. Gentechnisch hergestelltes Epo (Erythropoietin) steigerten die Zahl der roten Blutkörperchen - und damit die Sauerstoffzufuhr - und gehörten zu den wichtigsten Medikamenten für Dialyse- und Krebspatienten. Das menschliche Wachstumshormon HGH wird zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt.

Für Sportler seien Wirkstoffe wie Epo und HGH ein«höchst effektives» Mittel zur Leistungssteigerung vor allem bei Ausdauersportarten. Allerdings seien auch hier die Nebenwirkungen beträchtlich. Mit der Zahl der Blutkörperchen steige der Anteil fester Bestandteile im Blut - und damit auch das Thromboserisiko. Zudem stünden Epo und HGH im Verdacht, Krebs fördernd zu wirken. Das Wachstumshormon HGH lasse nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gebe es immer neue Varianten, die mit heutigen Doping-Tests nicht erkannt würden.

MITTEL DER ZUKUNFT: «Derzeit sind eine große Anzahl von Medikamenten und Behandlungsstrategien in der Entwicklung, von denen wir noch nicht wissen, ob und wie sie zum Doping verwendet werden», schätzt Diel. Die meisten Medikamente, die dem Aufbau von Muskelmasse, der Sauerstoffversorgung und der Beeinflussung des Stoffwechsels dienten, seien prinzipiell auch beim Doping einsetzbar. «Und das sind meist Mittel gegen Volks- und Alterskrankheiten, für die besonders intensiv nach neuen Wirkstoffen gesucht wird.» Eine logische Weiterentwicklung sei das Gen-Doping. «Die Möglichkeiten werden immer vielfältiger», lautet das Fazit Diels. «Da müssen ganz neue Testverfahren entwickelt werden.»

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