Profi-Radsport

Pozzato gewinnt denkwürdige 5. Etappe

Zabel in Grün, Klöden und Wino stürzen

12.07.2007 - (sid/Ra) - Schon auf der ersten anspruchsvolleren Etappe der Tour de France hat mit Alexander Winokurow einer der großen Favoriten auf den Gesamtsieg Federn lassen müssen. Für Sprint-Veteran Erik Zabel ist hingegen mit der Fahrt in Grüne Trikot noch einmal ein Traum in Erfüllung gegangen. Fünf Jahre nach seinem letzten Auftritt in Grün machte der deutsche Tour-Rekordler nach 182,5km langer Berg- und Talfahrt durch das Burgund sein Comeback auf dem Punkte-Podium perfekt.

Den Tagessieg musste der Milram-Kapitän als Fünfter allerdings dem Italiener Filippo Pozzato (Liquigas) überlassen, der im Sprint vor dem Spanier Oscar Freire (Rabobank) gewann. "Auch ein fünfter Platz kann sehr wertvoll sein. „Ich freue mich riesig, dass ich nach so vielen Jahren mal wieder das Grüne Trikot tragen darf“, sagte Zabel, der 32km vor dem Ziel noch einen Defekt am Rad hatte. „Vielleicht hätte ich heute von weiter hinten anfahren müssen. Das Grüne Trikot fühlt sich trotzdem sehr, sehr gut an. An Paris denke ich aber noch nicht. Ich plane lieber von Tag zu Tag.“

Mitfavorit Andreas Klöden erreichte im Hauptfeld das Ziel, nachdem er zuvor mit einem Sturz bei Astana-Teamleiter Mario Kummer für eine Schrecksekunde gesorgt hatte. Der letztjährige Tour-Zweite war bei Kilometer 107 in einen Graben gestürzt, konnte aber das Rennen direkt fortsetzen. Doch nach der Zieldurchfahrt wurde der 32-Jährige zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. 22 Kilometer vor dem Ziel kam auch Klödens Kapitän Alexander Winokurow zu Fall. Den 33-jährigen Kasachen erwischte es heftig an Arm und Gesäß, als er mit einem Motorrad-Kameramann kollidierte. Danach musste Winokurow hart arbeiten, um mit Hilfe seiner Team-Kollegen den Rückstand zu reduzieren. Unmittelbar nach dem Sturz war er mehr als zwei Minuten hinter der Spitze, im Ziel waren es immer noch 1:20 Minuten. Zehn Kilometer vom Ziel war der Astana-Chef auf sich alleine gestellt, weil seine Helfer erschöpft abreißen lassen mussten. «Es kam alles zusammen», kommentierte Astana- Sportdirektor Mario Kummer das Sturzpech seiner beiden Stars. "Ein Sturz, und dann noch im Finale, ist natürlich gravierend. Da kann man wenig reparieren. Durch den Berg fiel das Feld völlig auseinander. Wino bleibt dennoch unser Kapitän. Anderthalb Minuten sind in den Bergen schnell aufzuholen."

Bereits zum fünften Mal konnte Prologsieger Fabian Canacellara (CSC) das Gelbe Trikot erfolgreich verteidigen. Der Schweizer Zeitfahr-Weltmeister, der am Dienstag auch die 3. Etappe in Compiegne gewonnen hatte, hat im Gesamtklassement weiter 33 Sekunden Vorsprung vor Klöden und 35 vor Pozzato. Dabei kam Cancellara auch nur knapp einem Sturz, als er sich auf der letzten Abfahrt in einer Kurve versteuerte. Der 26-jährige Berner blieb aber auf dem Rad.

Pozzato triumphierte nach acht Bergprüfungen zwischen Chablis und der alten Römerstadt Autun nach 4:39:01 Stunden und machte damit seine Ankündigung wahr. „Die morgige Etappe wird etwas für mich“, hatte der Het-Volk-Sieger am Mittwoch gesagt. Im Massenspurt nach acht Kilometer langer Abfahrt von der Cote de la Croix de la Liberation setzte er sich vor Ex-Weltmeister Freire (Rabobank), dem Italiener Daniele Bennati (Lampre), dem Luxemburger Kim Kirchen (T-Mobile Team) und Zabel durch. Dem 37-Jährigen aus Unna reichte der fünfte Platz, um das Grüne Trikot von Belgiens Ex-Weltmeister Tom Boonen zu übernehmen. Achter wurde der Gerolsteiner Stefan Schumacher.

Die Fahrt durch das Morvan-Mittelgebirge nutzte der Franzose Sylvain Chavanel (Cofidis) für einen erfolgreichen Angriff auf das Bergtrikot seines Teamkollegen Stephane Auge. Chavanel hatte 19km nach dem Start im Weinbau-Ort Chablis zusammen mit seinem Landsmann William Bonnet (Crédit Agricole), dem Italiener Giampaolo Cheula (Barloworld) sowie dem Belgier Philippe Gilbert (Française des Jeux) die Offensive gestartet. Das Quartett setzte sich schnell vom Peloton ab und erarbeitete sich einen Vorsprung von zwischenzeitlich mehr als 14 Minuten. Die Fluchtgruppe wurde aber nach entschlossener Tempoarbeit der Sprinterteams und von CSC nach 171km wieder gestellt.

später mehr

Live-Ticker