Profi-Radsport

Tour de France: Contador wie aufgeladen

Rasmussen einfach nicht zu kontrollieren

22.07.2007 - (Ra/dpa/sid) - Der Spanier Alberto Contador hat die erste Pyrenäen-Etappe der Tour gewonnen. Dem Discovery-Fahrer konnte auf dem 14. Teilstück hinauf zum Plateau de Beille nur das Gelbe Trikot Michael Rasmussen (Rabobank) folgen. Der umstrittene Däne baute seinen Vorsprung auf die Konkurrenz in der Gesamtwertung weiter aus. Andreas Klöden (Astana) kam mit fast zwei Minuten Rückstand auf Rang sechs ins Ziel.

Der Tour blüht somit also der Gesamtsieg des wie entfesselt fahrenden Michael Rasmussen, Andreas Klöden hat kaum noch Hoffnung auf Gelb. Teamkollege Alexander Winokurow erlitt auf der 14. Etappe fürchterlichen Schiffbruch und verlor mehr als 28:50 Minuten (Platz 81) auf den Tagessieger .

Die erste Pyrenäen-Etappe von Mazamet auf das Plateau de Beille sorgte durch die erneut starke Leistung von Rasmussen für bedrückte Mienen bei den Organisatoren. Rasmussen verteidigte nach 197 Kilometern sein Gelbes Trikot in eindrucksvoller Manier. Schon am Vortag beim Zeitfahren in Albi war der Spitzenreiter überraschend nicht in Gefahr geraten.

Der Mann in Gelb kämpfte auch heute bis zum letzten Meter, musste aber dennoch dem Spanier Alberto Contador auf dem 1780 Meter hohen Plateau an der Grenze zu dessen Heimatland den Vortritt zu seinem ersten Tour-Etappensieg lassen. Der nach seinen verpassten Doping-Kontrollen nur wegen unterschiedlicher Regelauslegung der Verantwortlichen noch im Rennen befindliche Rasmussen führt das Klassement nach der 14. Etappe jetzt mit 2:23 Minuten vor Contador, dem Träger des Weißen Trikot für den besten Nachwuchsfahrer, an. Hinter dem 24-jährigen Spanier, dessen Name vor Jahresfrist noch auf der sogenannten Fuentes-Liste stand, rangiert der Australier Cadel Evans (Predictor-Lotto) auf Rang drei (+3:04). «Das ist die Tour, da gibt es keine Geschenke. Ich denke eher an Morgen als an Paris», sagte Rasmussen unter Hinweis auf den erbitterten Kampf gegen Contador und seinen möglichen Tour-Gesamtsieg.

Die kommenden beiden Pyrenäen-Etappen bevorteilen den Bergfloh Rasmussen weiter. Auch das letzte Zeitfahren am vorletzten Tour-Tag in Cognac braucht den spindeldürren Dänen nach dessen Gala von Albi nicht zu schocken. Damit droht der Tour ein ähnliches katastrophales Nachspiel wie im Vorjahr mit dem gedopten Floyd Landis, auf dessen Urteil die Radsport-Welt noch immer wartet. 60 Prozent der 36 167 von der «L`Équipe» befragten Leser waren für einen Tour-Ausschluss des Dänen.

Das 54 Kilometer lange Einzelzeitfahren in Albi hatte einige Überraschungen parat: Rasmussen entpuppte sich fast als Spezialist und verlor nur 2:55 Minuten auf den wie entfesselt fahrenden Winokurow, der mit seinem ersten Tagessieg nach seinem schweren Sturz eine «Wiederauferstehung» feierte. Allerdings bezahlte der Kasache die flotte Fahrt mit einem Stundenmittel von über 48,6 Kilometern mit einem Einbruch. Schon an der vorletzten Steigung der 14. Etappe verlor er auf halber Höhe des Pailhères Boden und fiel weit zurück.

Im Ziel hatte er auf den Tagessieger mehr als 28 Minuten verloren und sich endgültig von seinen ohnehin nur noch vagen Hoffnungen auf den Toursieg 2007 verabschiedet. Ob sein Astana-Teamkollege Klöden in die Bresche springen kann, bleibt angesichts der starken Vorstellungen von Rasmussen und Contador fraglich. Klöden war im Zeitfahren nach einem Sturz unter seinen Möglichkeiten geblieben und nur auf Rang drei 1:39 Minuten hinter Winokurow gefahren.

Die vorletzte Tagessteigung, den 2001 Meter hohen Port de Palhèires, nahmen fünf Spanier in einer Ausreißergruppe in Angriff. Ihr Ausflug war erwartungsgemäß jedoch zeitlich beschränkt. Als letzter Ausreißer wurde Antonio Colom (Astana) fünf Kilometer vor dem Ziel eingeholt.

Am 16 Kilometer langen Schlussaufstieg auf das Plateau schlug die Stunde der Klassementfahrer, die in einer rund 30 Fahrer starken ersten Verfolgergruppe fuhren. Je höher die Fahrer kletterten, desto kleiner wurde die Gruppe.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Topsprinter Tom Boonen im Grünen Trikot, der Milram-Kapitän Erik Zabel und auch Robert Förster vom Team Gerolsteiner schon weit abgeschlagen. Mit großem Rückstand passierte am Sonntag auch Tour-Debütant Linus Gerdemann, der vor achten Tagen das Gelbe Trikot für 24 Stunden tragen durfte, die Ziellinie.

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