Profi-Radsport

Tour de France: Leipheimer gewinnt Zeitfahren

Contador rettet 23 Sekunden auf Evans

28.07.2007 - (sid/Ra) - Der durch Dopingvorwürfe belastete Alberto Contador steht nach einem Zeitfahr-Krimi vor dem Gesamtsieg bei der von Dopingskandalen erschütterten 94. Tour de France. Der 24-jährige Spanier wehrte beim abschließenden Einzelzeitfahren auf den 55,5km von Cognac nach Angouleme den Angriff seiner ärgsten Herausforderer ab und geht mit 23 Sekunden Vorsprung vor dem Australier Cadel Evans (Predictor-Lotto) und 31 Sekunden vor seinem US-amerikanischen Teamkollegen Levi Leipheimer auf die Abschlussetappe, auf der traditionell das Gelbe Trikot nicht mehr attackiert wird. Mit einem geringeren Polster wurde die Tour bislang erst einmal entschieden.

Den Kampf gegen die Uhr gewann Leipheimer nach 1:02:44 Stunden mit 51 Sekunden Vorsprung vor Evans. Contador reichte mit 2:18 Minuten Rückstand der fünfte Platz, um das am vergangenen Donnerstag vom 24 Stunden zuvor wegen Dopingverdachts von seinem Team Rabobank gefeuerten Dänen Michael Rasmussen eroberte Gelbe Trikot erfolgreich zu verteidigen.

"Ich freue mich für Alberto. Aber natürlich habe ich auch noch selbst auf das Gelbe Trikot gehofft", sagte Leipheimer, der in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz hinter Evans 31 Sekunden Rückstand auf Contador hat. Noch nie lagen die drei Erstplatzierten der Tour am Ende innerhalb einer Minute. Den knappsten Tour-Sieg hatte 1989 Greg LeMond (USA) mit acht Sekunden Vorsprung vor Laurent Fignon (Frankreich) gefeiert.

Die T-Mobile-Farben hielt Kim Kirchen hoch. Der Luxemburger wurde am Samstag mit drei Minuten Rückstand 13. und verteidigte Rang sieben in der Gesamtwertung 12:18 Minuten hinter Contador.

Der Berliner Jens Voigt (CSC) und Markus Fothen (Gerolsteiner) waren auf den Rängen 29 und 34 als bestplatzierte Deutsche im Gesamtklassement von der Rampe gefahren. Verbessern konnten sie sich am Samstag nicht. Voigt kam nach 1:07:31 Stunden an, Fothen war noch 47 Sekunden langsamer.

"Die Strecke war nicht so schwer. Doch im letzten Jahr hatte ich gute Beine, aber Probleme mit dem Kreislauf. Dieses Jahr war es umgekehrt", sagte Fothen, der bei seinem Tour-Debüt 2006 die Gesamtwertung auf dem 15. Rang beendet hatte.

Voigt kam "platt wie eine Flunder" ins Ziel. Ich habe alles gegeben. Wir wollen den zweiten Platz in der Mannschaftswertung verteidigen. Deshalb hat jeder voll reingehauen. Aber jetzt sehe ich schon den Eiffelturm in Paris", sagte der Mecklenburger wenige Stunden vor dem Bahntransit per TGV-Schnellzug in die fast 500 km entfernte französische Hauptstadt.

Viel Pech hatte Fothens Teamkollege Stefan Schumacher, der durch einen Sturz kurz vor dem Ziel 28 Sekunden verlor. Der 26-jährige Schwabe wurde in 1:06:02 Stunden gestoppt, nachdem er bis zur zweiten Meßstation noch Bestzeit gefahren war. "Ich war gut unterwegs. Im Kreisverkehr musste ich abbremsen, dann habe ich die Kurve nicht mehr gekriegt", sagte der Schwabe.

Schumacher war trotz des Malheurs nur 23 Sekunden langsamer als der Schweizer Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara, der nach seinem Prologsieg in London sechs Tage im Gelben Trikot gefahren war. Am Samstag war der CSC-Profi chancenlos.

Sehr gut hielt sich erneut Linus Gerdemann (T-Mobile). Der Tour-Neuling, der mit seinem Etappensieg in den Alpen das Gelbe Trikot für einen Tag erobert hatte, war zeitgleich mit Schumacher. "Ich konnte mithalten. Bei der Tour habe ich für die Zukunft gelernt. Die Unterstützung der Zuschauer war wieder großartig", sagte der Wahl-Schweizer.

Die Sprintspezialisten der Tour hatten beim Kampf gegen die Uhr keinerlei Ambitionen, unnötige Kräfte zu verschwenden. Für Erik Zabel und Co. steht am Sonntag beim zu erwartenden Sprintfinale auf dem Pariser Prachtboulevard das abschließende Highlight der 3569km langen Tour bevor. Deshalb hielt sich Zabel in 1:12:34 Stunden in der Weinregion der Charente zurück.

Die letzten 146 km der "Großen Schleife" beginnen am Sonntag in Marcoussis und haben noch einmal zwei Bergwertungen der 4. Kategorie im Programm. Die Schlussphase wird auf dem Place de la Concorde eingeläutet, der Ausgangspunkt zur Sternfahrt auf den Champs-Elysees ist. Achtmal wird die Nobelmeile passiert, dann geht es ein letztes Mal auf die 6,5km lange Runde.

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