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29.07.2007 - Paris (dpa) - Die Organisatoren der Tour de France haben den Weltverband UCI mit seiner jetzigen Führungs-Mannschaft als Teil des Übels im Radsport ausgemacht. Eine Spaltung steht bevor, der größte und mächtigste Rennveranstalter der Welt will unabhängig werden.
Auch wenn eine völlige Loslösung vom Dachverband an Juristen scheitern könnte: Vorerst haben sich die Tour-Chefs, die sich von der UCI nicht nur im Fall Michael Rasmussen hintergangen fühlen, auf die Verbandsspitze eingeschossen und wittern eine «Verschwörung» gegen den französischen Juli-Klassiker. Der will sich 2008 auch äußerlich völlig neu präsentieren, eventuell wie zuletzt 1968 wieder mit National-Teams.
Die Tour wirft der UCI um Präsident Pat McQuaid, der keine offizielle Einladung zum Gipfeltreffen in Frankreich erhielt, im Kampf gegen Doping Unfähigkeit vor. «Der UCI fehlen Transparenz und Professionalität, sie ist zutiefst gewissenlos und hat den Erfolg der Tour untergraben», sagte Tour-Präsident Patrice Clerc vor dem Start der 19. Etappe. Bis Ende Oktober will die Tour mit Teams und Sponsoren, die sich dem Antidoping-Kampf verschrieben haben, die Grundlagen für eine «Erneuerung des Radsports» legen. Die Tour sympathisiert mit dem Modell der neuen Bewegung von acht ProTour-Mannschaften «für einen glaubwürdigen Radsport». Diesem Kreis gehören sechs französische Teams sowie die deutschen Rennställe T-Mobile und Gerolsteiner an. Hans-Michael Holczer, Manager des Teams Gerolsteiner, beschrieb die neue Richtung: «Unsere während der Tour gegründete Vereinigung MPCC legt alle Blutwerte der Fahrer offen und macht auch ärztliche Verordnungen, die oft zum `legalen dopen` missbraucht werden, transparent. Das heißt, in unseren Teams gibt es nicht einen einzigen Fahrer, der Kortikoide nimmt.»
Die Tour plant die Einführung eines so genannten «ethischen Passes» für Radprofis. Darin sollen alle relevanten Gesundheitsdaten enthalten sein. Das Dokument will die Tour-Organisation für die Teilnahme an allen von ihr organisierten Rennen fordern, also zum Beispiel auch bei den Eintages-Klassikern Paris-Roubaix oder Lüttich- Bastogne-Lüttich.
Die UCI ist aus Sicht der Tour-Organisatoren für die beiden Doping-Skandale um Patrik Sinkewitz (T-Mobile) und Michael Rasmussen (Rabobank)mitverantwortlich, die während der Tour bekannt wurden, mit dem Rennen aber nichts zu tun gehabt hätten. «Wir wollen uns von diesem System unabhängig machen. Ein neues Modell kann nur unabhängig von der UCI funktionieren», sagte Clerc. Am 25. Oktober stellt die Tour in Paris die Strecke vor, die 2008 am 5. Juli in Brest startet. Dann sollen auch die neuen Richtlinien klar sein. Es könnten wieder National-Teams am Start sein, die ihren Landes-Verbänden unterstehen. Die Sponsoren würden auf Trikots und Hosen - wie bei der WM - einen kleineren Raum zur direkten Werbung erhalten.
Der Rückzug von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung hätte vermieden werden können, wenn die UCI den Dopingfall Sinkewitz und den Betrug des Dänen Rasmussen rechtzeitig vor der Tour bekannt gegeben hätte, betonte der Tour-Präsident. Sinkewitz war bei einem Training in den Pyrenäen am 8. Juni positiv getestet worden. Das Ergebnis der A-Probe war am 18. Juli veröffentlicht worden.
Rasmussen hatte seinen Trainingsort verschleiert. Nach Ansicht der Tour hätte der Däne bei richtiger Anwendung der UCI-Bestimmungen nicht starten dürfen. Rasmussen, der über acht Etappen das Gelbe Trikot getragen hatte, war wegen der falschen Angaben in der Nacht zum 26. Juli von seinem niederländischen Team Rabobank entlassen worden. Seinen Platz an der Tour-Spitze im Gelben Trikot übernahm der Spanier Alberto Contador, dem hartnäckig Verbindungen zum Doping-Arzt Eufemiano Fuentes nachgesagt werden.
An den Doping-Fällen der ausgeschlossenen Cristian Moreni (Cofidis) und Alexander Winokurow (Astana) seien Fahrer und Ärzte Schuld, sagte Clerc. Er sei aber überzeugt, dass die meisten Fahrer verantwortungsvoll handeln. «Die Tour ist schwer gestürzt, hat sich schwer verletzt, aber ich hoffe, dass dies ein Wendpunkt für den Sport ist», erklärte Clerc einen Tag vor dem getrübten Finale auf den Champs Élysées in Paris.
Die Welt-Antidoping-Agentur (WADA), die ebenfalls an dem von der Tourleitung initiierten «Runden Tisch» bis Ende Oktober teilnehmen soll, kritisierte die Pariser Organisation scharf. Seit dem Festina-Skandal von 1998 habe sich offenbar nichts geändert, sagte WADA- Präsident Richard Pound der französischen Zeitung «Le Figaro». Die Agentur wolle im November schärfere Strafen für Doping beschließen. So soll die Sperre für ein Erstvergehen von zwei auf vier Jahre erhöht werden.
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