Profi-Radsport

"Konkrete Aktionen auf den Weg bringen"

150 Teilnehmer zum Anti-Doping-Gipfel erwartet

14.09.2007 - (Ra/dpa) – Die französische Ministerin für Gesundheit und Sport, Roselyne Bachelot, erwartet zum Anti-Doping-Gipfel am 22/23. Oktober in Paris rund 150 Teilnehmer. In einem Interview mit der französischen Sportzeitung L’Equipe bekräftigte die Ministerin ihr Vertrauen in den krisengeschüttelten Radsport. „Bei der diesjährigen Tour de France wurden mehr als 400 Dopingkontrollen durchgeführt, nur drei (Alexander Winokurow, Cristian Moreni, Iban Mayo, d. Red.) waren positiv“, sagte Bachelot, auf deren Druck hin sich der Weltradsportverband UCI und die Tour-Veranstalterin ASO, die sich seit Monaten im Dauerclinch befinden, zu einem Krisengipfel bereit erklärt hatten.

„Ziel des Treffens, ist es, aus dem Radsport ein Experimentierfeld im Anti-Doping-Kampf zu machen, aus dem Lehren für andere Sportarten gezogen werden können. Wir wollen keinen intellektuellen Small Talk veranstalten, sondern konkrete Aktionen auf den Weg bringen», sagte die Ministerin. „Wir haben unsere Kultur geändert und eine neue Ära eingeläutert. Wir müssen weiter diesen Weg gehen, aber wir sind mit gewissen Hindernissen konfrontiert“.

Bachelot beklagte insbesondere den Dauerstreit zwischen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, der UCI sowie der Organisatoren der drei großen Rundfahrten. Die ASO hatte nach der diesjährigen Tour de France erklärt, in Zukunft nicht mehr mit dem Radsport-Dachverband zusammenarbeiten zu wollen. „Deshalb habe ich diesen internationalen Anti-Doping-Gipfel in Paris organisiert“, so Bachelot. WADA-Chef Richard Pound, UCI-Chef Pat McQuaid sowie Vertreter der großen Rundfahrten hätten ihr Erscheinen zugesagt.

Die Ministerin will in ihrem Land den Anti-Dopingkampf weiter intensivieren. Dazu plant sie, schon den Besitz, nicht erst den Gebrauch von Dopingmitteln strafbar zu machen - ein Schritt, zu dem sich etwa deutsche Instanzen noch nicht durchringen konnten. Bachelot hofft, dass ein entsprechendes Gesetz im kommenden Jahr in Kraft treten wird.

Wie schwierig es sein wird, eine vernünftige Arbeitsbasis zwischen UCI und den Veranstaltern wiederherzustellen, machte indes ein Interview deutlich, das ASO-Präsident Patrice Clerc dem Internetanbieter cyclingnews gab. Darin warf der Franzose der UCI zum wiederholten Mal vor, im Fall Rasmussen versagt und die eigenen Regularien nicht angewendet zu haben. „Vor der Tour hatten die Teams, die UCI und die ASO vereinbart, dass Rennen so sauber wie möglich zu machen“, sagte Clerc. „Aber weder Rasmussens Team Rabobank noch die UCI teilten uns mit, dass dieser Fahrer verdächtig war. Mitten in der Tour wurde Rasmussen dann, im Gelben Trikot fahrend, von seinem eigenen Verband suspendiert. Ich war sehr frustriert, weil es nie zu dieser Situation hätte kommen dürfen. Rasmussen hätte nie in Gelb fahren dürfen!“

Bei aller Kritik zeigte sich Clerc aber doch bereit, beim anstehenden Pariser Gipfel wieder mit der UCI das Gespräch zu suchen – „dem Radsport zuliebe“, wie der ASO-Chef sagte.