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24.09.2007 - Stuttgart (dpa/Ra) - 41 Jahre nach Rudi Altigs Titelgewinn soll beim WM-Heimspiel in Stuttgart endlich wieder ein deutscher Fahrer das Regenbogentrikot tragen. Stefan Schumacher und Erik Zabel haben bei der Rad-WM berechtigte Aussichten auf den dritten Titel für Deutschland nach 1952 (Heinz Müller) und 1966.
Aber wenn zwei sich streiten, freut sich oft ein Dritter. So kann es ganz leicht auch am 30. September kommen, sollte eine uneinige deutsche Nationalmannschaft den ambitionierten Favoriten wie dem italienischen Titelverteidiger Paolo Bettini und dem dreifachen spanischen Weltmeister Oscar Freire entgegentreten.
Fraglich bleibt, ob im neunköpfigen Team des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) alle an einem Strang ziehen - auch wenn die Funktionäre den Streit um die Kapitänsrolle als «Luxusproblem» (Sport-Direktor Burkhard Bremer) bezeichnen. Der Dachverband stellte sich in den vergangenen Wochen nicht unbedingt so dar, dass von seinem Spitzenpersonal ein Machtwort zu erwarten wäre.
«Die Strecke liegt mir, ich bin in Topform und ich gehe davon aus, das ich der Kapitän bin, der unterstützt wird», sagte Schumacher, der nur 25 Kilometer vom 267,4 Kilometer langen WM-Parcours entfernt wohnt und im April das Amstel Gold Race auf einem ganz ähnlichen Streckenprofil gewonnen hatte.
Der zweifache Vize-Weltmeister Zabel, dessen Start nach seiner Doping-Beichte in Zeiten des propagierten «Neuanfangs» weiter umstritten bleibt, hält sich öffentlich vornehm zurück. Bei der Deutschland-Tour, bei der er wie zuletzt in Spanien seine ansteigende Form mit Etappensiegen unter Beweis stellte, bewarb er sich offensiv um die WM-Teilnahme. Wenig später stimmte das BDR-Präsidium mit 6:2 für seine Teilnahme, obwohl ihn die Stuttgarter Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann ausgeladen hatte. Zabel-Freund Rudolf Scharping, in die Kritik geratener BDR-Präsident, hatte sich der Stimme enthalten.
Nicht nur sportlich bereitet dem BDR die achte WM im eigenen Land seit 1927 Probleme. Lange war die Finanzierung des 5,3-Millionen-Spektakels in der Landeshauptstadt, die zuletzt 1991 eine WM ausrichtete, wegen der Doping-Problematik nicht gesichert. Nach den sechs WM-Tagen droht ein dickes Minus. Ein umfangreiches Anti- Doping-Konzept mit zahlreichen Kontrollen und nach Tour-Vorbild zu unterschreibenden Absichts-Erklärungen sollen die allgegenwärtige Manipulations-Gefahr bannen. Ein unerwünschter Teilnehmer könnte sich zudem auf juristischem Weg sein Startrecht sichern: Der des Dopings verdächtigte Spanier Alejandro Valverde kämpft vor dem Internationalen Sportgerichtshof um die Teilnahme-Berechtigung.
Die vom Organisations-Komitee ebenfalls nicht erwünschten und vom BDR nicht berücksichtigten Teamchefs Rolf Aldag und Christian Henn, die im Mai Doping gestanden hatten, haben sich mit ihrer WM-Außenseiter-Rolle abgefunden. Der alte Zabel-Kumpel Jan Schaffrath, Teamleiter bei T- Mobile, und Hans-Michael Holczer, Manager beim Team Gerolsteiner, betreuen das deutsche Team. Holczer glaubt nicht an Interessenkonflikte: «Wir sollten die Kirche mal im Dorf lassen. Wir rennen dem WM-Titel seit fast einem halben Jahrhundert hinterher, und auch diesmal ist die Konkurrenz erheblich. Wir sollten froh sein, wenn Zabel in einem Sprint oder Schumacher in einer Gruppe Gelegenheit bekommen, direkt um den Sieg mitzufahren.»
Nicht nur die Elitefahrer versprechen bei der ersten WM auf deutschem Boden seit 1991 Medaillen. Die Frauen sind ein BDR-Faustpfand. Die Bilanz spricht für sich: Gold im Straßenrennen 2004 und 2005, Silber im Vorjahr. Der 133,7 Kilometer lange Kurs könnte Weltmeisterin Judith Arndt liegen. Deshalb gab Bundestrainer Jochen Dornbusch die Parole aus: «Das Ziel ist das WM-Trikot.»
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